Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-899261
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Verfall 
des 
römischen 
Reichs. 
Sie schläft (Victoria dormit), manchmal eine schmerzlich 
hoffnungsvolle Hindeutung auf die Zukunft (qui amabit 
me, der mich lieben wird m). Bei der Einfachheit und 
Unvollkommenheit dieser Inschriften hat die Zärtlichkeit 
des Ausdrucks etwas 
sicher, dass sie nicht 
ungemein Rührendes. 
erkünstelt, nicht bloss 
Wir 
eine 
sind 
her- 
kömlnliche Phrase lachender Erben ist; eine Wärme des 
Gefühls und der persönlichen Verhältnisse ist hier in 
Klassen der Gesellschaft eingedrungen, die sonst nur dem 
Erwerbe oder dem sinnlichen Genusse nachgingeil. Da- 
durch erhalten denn auch jene schwach und unvollkom- 
men gezeichneten Symbole eine eigenthümliche Bedeutung; 
wir sehen diese einfachen und ungebildeten Leute mit 
Ideen beschäftigt, für welche ihnen genügende Worte 
fehlen. Sehr wichtig ist auch die Mannigfaltigkeit dieser 
Symbole. Es sind nicht etwa einzelne Erkennungszeichen, 
nicht priesterlich angeordnete Hieroglyphen, sondern Er- 
zeugnisse einer freiwirkenden Phantasie. Die ganze Natur 
löste sich für diese Christen in ein Symbol der Heilslehre 
und des Erlösers auf; alles hatte irgend eine Beziehung 
auf ihn. Die metaphorische, vergleichende Phantasie der 
Orientalen drang durch die heiligen Schriften in das Leben 
der abendländischen Völker ein , iixirte sich hier zum 
Bilde und wurde ein, auch für die künstlerische Richtung 
der folgenden Jahrhunderte wichtiges Element. 
d) Vielleicht ist aber amahit nur statt anlabat fehlerhaft ge- 
schrieben, so dass es eine Erinnerung an die Vergangenheit darstellt. 
Manchmal streift das Lob an das Lächerliche, z. B. wenn wir erfah- 
ren, dass der Marcianns, der von beWllndernsvviirdiger Unschuld und 
Klugheit war (mirae innocenliae ac sapientiae) nur ein Alter von 
vier Monaten erreicht. Zuweilen linden sich auch Aeusserungen, 
welche nicht grade christlicher Milde würdig sind, z. B. Male pereat. 
insepultus jaceat, non resurgat, cum Juda pilftßm-ilälbßßl, si qnis 
sepulchruln hunc (sie) violaverit. Aringhi II. 257 u. 174.
        

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