Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-899120
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Verfall 
des 
römischen 
Reichs. 
menschliche Gestalt hat daher das Vorrecht der Häss- 
lichkeit; ihre Entstellung, ja selbst nur ihre seelenlose 
Auffassung ist nicht mehr bloss unbefriedigend oder gleich- 
gültig, Sondern beleidigend oder betrübend. Während die 
Baukunst gleichsam auf dem festen Boden ruht, zu dem 
sie herabsinken aber nicht in ihm untergehen kann, giebt 
es für die menschliche Gestalt keine so unzerstörbare 
Gränze, ihre Auffassung kann unter den Gränzpunkt des 
Anfangs fallen, negativ werden. 
So stellt sie sich in dieser Periode, wenigstens auf 
der Seite des heidnischen Lebens dar. An berühmte 
Künstlernamen ist jetzt nicht mehr zu denken, selbst 
der flüchtige Ruhm , den Eitelkeit und Selbsttäuschung 
der Zeitgenossen erzeugen, kam nicht mehr auf; das 
Interesse War verschwunden. Im Anfange dieses Zeit- 
alters hat sich noch eine Tradition der alten Kunst er- 
halten, die Arbeiten sind mittelmässig, ohne besondern 
Geist, aber nicht widerlich. Zur Zeit des Constantin 
war auch diese Tradition verloren und zwar, wie es scheint, 
sehr schnell. Jener Constantinische Bogen in Rom, an 
welchem man die rohesten Machwerke gleichzeitiger Ar- 
beiter neben die würdigen Sculpturen der Trajanischen 
Zeit setzte, ohne diesen Vergleich zu scheuen, ist der 
deutlichste Beweis dieses tiefen Verfalls. Man bemerkte, 
wie es scheint, den ungeheuren Abstand nicht einmal. 
Einige Statuen Constantins und der Glieder seiner Familie 
sind zwar etwas besser und lebendiger, aber dennoch 
ist die gänzliche Abwesenheit des feinern Schönheitsge- 
fühles schon völlig entschieden i). Die Züge sind seelen- 
los, starr und plump, der Körper in schlaffer, breiter 
 Eine dieser Bildsäulen steht in der Vnrhal 
kirche, zwei andre an der Treppe zum Cßpitol. 
le 
der 
Laterau-
        

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