Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-899092
Christliche 
Basiliken. 
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diente. Eine symbolische Bedeutung hatte diese acht- 
eckige Form keinesweges , sondern es lag nur eine Rück- 
sicht der Bequemlichkeit und eine Nachahmung der Bade- 
säle zum Grunde, welche, da nach damaligem Ritus die 
Täuflinge ganz in das Wasser hineinstiegen, hier wirk- 
lich nahe lag. Hier wie in andern Beziehungen bediente 
man sich unbefangen der heidnischen Form, wenn sie 
nützlich und zweckmässig schien. Das einzige Beispiel 
einer grössern runden Kirche in Rom ist S. Stefano, 
eine einfache kreisförmige Construction, in welcher ein 
Kreis von Säulen die emporragende Mauer des mittlern 
Raumes trägt, wahrscheinlich am Ende des 5. Jahrh. er- 
baut. Auch hier moehte die ungewöhnliche Gestalt durch 
die Benutzung antiker Fundamente herbeigeführt sein, 
gewiss aber konnte der Versuch nicht reizen, von dem 
Basilikentypus abzugeben. Das weite, kreisförmige Ge- 
bäude giebt ein unheimliches, unruhiges Gefühl , und 
entspricht den kirchlichen Zwecken nur höchst unvoll- 
kommen f). 
Im weitern Verlaufe der Geschichte werden wir die 
antiken 'l'raditionen im Kampfe mit fremden Elementen, 
mit dem Geiste des Orients und mit dem der germani- 
schen Völker beobachten. Hier sind sie von solchen 
Einflüssen noch frei, sie erfahren ihre Umgestaltung rein 
aus sich selbst und aus der Stimmung, die sich auf römi- 
schem Boden verbreitet. Zum ersten Male sehen wir 
hier, was sich später in der christlichen Geschichte häufig 
wiederholt, zwei verschiedenartige Bestrebungen neben 
einander waltend. Hier ist es die des absterbenden Hei- 
delltllüms , das ohne innern Halt und Zusammenhang mit 
der Fülle des sinnlichen Schmucks, der Technik und der 
Aginc. 
Arrh.
        

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