Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-903984
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Richtung 
der 
kar0lingischex1 
Kunst. 
Dieses frühzeitige, wenn man will voreilige Hervor- 
treten der Arabeske in der abendländischen Kunst giebt 
uns wesentliche Aufschlüsse über ihren Charakter und 
ihre Richtung. Um diese aber in ihrer vollen Wichtigkeit 
aufzuzeigen, ist vorher auf eine verwandte Erscheinung 
auf einem andern Gebiete, auf dem der Poesie aufmerk- 
sam zu machen.  Auch hier nämlich zeigt sich bei den 
wibendländischeil und besonders bei den germanischen Völ- 
kern eine formelle Eigenthümlichkeit sehr viel früher, als 
die tiefere Durchbildung ihres moralischen Charakters, 
nämlich in der Anwendung des Keimes. 
Bekanntlich hatten die Griechen und Römer ihn nicht; 
ihre Versmaasse bestanden in dem regelmässig durchge- 
führten, rhythmischen Wechsel langer und kurzer Sylben, 
ohne andre Bezeichnung des Ausganges der Verse als 
durch den Ablauf dieses Maasses. Für die Wirkung des 
Gleichklanges waren sie nicht unempfindlich, sie brauchten 
ihn aber nur selten und niemals in nothwentligcm Zusama 
menhange mit dem Versmaasse, sondern immer nur als 
zufällige, überraschemle Andeutung der Llebereinstinnnung 
einzelner Begriffe oder wegen eines bestimmten, beab- 
sichtigten YVohlklanges. Ebenso anerkannt ist dagegen 
die Wichtigkeit und fast Unerlässlichkeit des Reimesfüi- 
die Poesie der modernen, christlichen Völker des Abend- 
landes. VVir sehen daher hier einen (lurchgreifenden Un- 
terschied des Formgefiihles, und es ist höchst ÜCIIICIV 
kenswerth, dass sich derselbe auch hier zuerst in dieser 
Periode geltend macht. 
Schon die Dichter der lateinischen, christlichen Ilym, 
scl eintritt. Ein Motiv, welches die antike Kunst. nicht gekannt hatte, 
welches an den YVechsel des lleinles erinnert und sich in der Archi- 
tektur des Mittelalters später häufig findet.
        

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