Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-903967
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Richtung 
der 
karoliugischeu 
Kunst. 
heilige Wort hatte die Bestimmung die Anschauung seiner 
reinen Gestalt zu vermifteln, ein neues Lebenspriucip zu 
bilden, es war nicht bloss eine abstracte äusserliche Vor- 
schrift. Das Christenthum ist daher auf Schrift und Na- 
tur zugleich angewiesen, und es liegt nur in der Schwäche 
des menschlichen Wesens, in den Gesetzen einer freien 
Entwickelung, dass die Vereinigung des Gegensatzes 
nicht leicht und mit einem Male, sondern allmälig stufen- 
weise erreicht wird. Bei den Völkern des Islam ist. deshalb 
auch die Ayabeske die einzige Aeusserung des Formsin- 
nes, anmuthig und lockend, aber täuschend und unfrucht- 
bar; bei den Christen trägt sie dagegen gleich anfangs 
den Keim zu höherer Entwickelung in sich. 
Auf christlichem Boden selbst war aber das Ver- 
hältniss 
ländem 
zur Natur bei den Byzantinern und bei den Abend- 
verschiedexm. Diese im Gefühl ihrer Rohheit 
mussten sich so gut wie ganz von ihr lossagen, jene 
dagegen blieben mit den Gesetzen der Natur vertrauter, 
wenn auch nicht in neuer christlicher Weise, sondern im 
Sinne der römischen Welt. Ueberdies stand die Schrift 
den Abendländern, schon Wegen der Verschiedenheit der 
Ursprache, fremdartiger entgegen, war ihnen daher neuer 
und wichtiger, als den Griechen, näherte sich in ihrer 
Bedeutsamkeit mehr der des Koran. Es kam hier darauf 
an, sich demüthig und allmälig hineinzuleben, während 
die Byzantiner sie dreist interpretirten, wie die Worte 
der Philosophen oder wie legislatorische Aussprüche. 
Auch in so harmlosen Aeusserungen, wie die Arabeske 
ist, können wir diese Verschiedenheit beobachten. Denn 
bei den Deutschen entwickelt sie sich freier, abstracter, 
mehr als reines Spiel, bei den Byzantinern bleibt sie ent- 
weder dürftig, eine magere Zusammenstellung einfacher
        

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