Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-903956
Vergleichung 
mit 
andern 
Völkern. 
535 
die 
der 
Einsicht 
eines 
Weisen 
Mannes 
in 
das 
der 
Innere 
Natur; schon durch ihre 'l'endenz auf Nützlichkeit war 
diese Lehre enge an die Wirklichkeit geknüpft. Bei den 
Juden aber, dem Volke vorzugsweiser Offenbarung, war 
diese nicht so sehr an die Schrift gebunden; es bestand 
ein lebendiger Verkehr Gottes mit seinem Volke, in den 
Schicksalen desselben offenbarte er sich, durch das leben- 
dige Wort der Propheten, durch eine Bilderspraehe, wel- 
che beständig auf" die Natur hinwies, redete er zu ihm. 
Bei den Christen und bei den Muhamedanern hatte die 
Schrift eine viel höhere Bedeutung, allein bei beiden doch 
wieder in specilischer Verschiedenheit. Der Islam fasst 
die Sonderung des Geistigen und des Natürlichen schroff 
und ungemiltlert auf, er erkennt in der Natur nicht die 
Wirkungen Gottes, achtet ihre Gesetze nicht als gött- 
liche, hält den Begriff des göttlichen Willens und der 
"Vorherbestimmung mit aller Consequeilz fest; Allah ist 
ein Despot wie die irdischen Herrscher des lllorgenlandes, 
nur ein grösserer. Im Christenthume dagegen steht zwar 
die OHenbartmg und der Wille Gottes hoch und frei über 
der WVelt und ihren Gesetzen, aber auch diese sind Got- 
tes Schöpfungen, sie werden geehrt, und beides, Gött- 
liches und Irdisches, steht in einem im Einzelnen viel- 
leicht schwer anzugebenden, aber nicht zu verkennendenl 
Zusammenhange. Auch hatte die Schrift für die Christen 
nicht ganz denselben, ausschliesslichen Werth wie der 
Koran; dieser war das durch den Propheten überlieferte, 
abstracte Gesetz , während die heiligen Schriften der 
Christen, wie sehr man sie auch als unmittelbare Ein- 
gebungen Gottes ansehen mochte, doch immer auf die 
Persönlichkeit Christi hinwiesen. Seine Erscheinung blieb 
immer das höchste Vorbild, sein Leben die Quelle; das
        

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