Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-903946
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Richtung 
der 
karolixugischcln 
Kunst. 
dass sie auch jene erste und leiseste Aeusseruug unge- 
buudener Formbildung, die freie Schrift, nicht besassen , 
sondern N aturfonneim als Buchstaben brauchten. 
Wir werden dadurch auf einen wichtigen Unterschied 
aufmerksam gemacht, der in vielen Beziehungen grossc 
Aufschlüsse gewährt, auf den zwischen den Völkern der 
N aturreligion und denen der Offenbarung oder der 
Schrift. Ich darf bei meinen Lesern schon voraussetzen, 
dass sie die Verwandtschaft künstlerischer Formen mit 
den Grundelementen des Geistes leicht auffassen, und 
darf es daher kurz aussprechen, dass schon durch diese 
Grundverschiedenheit die Kunst bei jenen eine Richtung 
auf plastische Wirklichkeit und Fülle, bei (liescn auf 
phantastische Leichtigkeit erhalten musste, welche 
letzte sich denn in der Arabeske am Entschiedensten 
ausspricht. 
Auch dieser Gegensatz aber prägt sich, wie andere, 
in der Geschichte nur individuell aus; denn in sehroifster 
Einseitigkeit kann weder das eine noch das andere existi- 
ren. Der Natur kann sich der Mensch weder ganz hin- 
geben noeh ganz entziehen; beide Richtungen verhalten 
sieh nicht aussehliessend gegeneinander, sondern streben 
einander entgegen; die höchste Vollkommenheit würde 
da vorhanden sein , wo sie völlig verbunden und ausge- 
glichen wären. Schon in der alten Welt fanden wir Völ- 
ker, deren Religion mehr den Charakter der geoffenbarten 
als der natürlichen hatte; ich meine nicht bloss die J u- 
den, sondern auch die Perser. Bei beiden war aber 
die geistige Oüenbarung noch mit einem Naturelemexit 
verbunden, sie war keiuesweges völlig zur Schrift ge- 
worden. Denn bei den Persern hatte das Wort Zoroasters 
nicht 
die Bedeutung göttlicher Erleuchtung, 
sondern mehr
        

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