Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-903900
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Richtung 
der 
karolingischen 
Kunst. 
vergleicht und die Verschiedenheit der vorherrschenden 
Züge bei unzweifelhafter, genauer Nachahmung der Natur 
wahrnimmt. Ist nun die geistige Richtung der Menschen 
eine schwankende, unzusammenhängende, so bleiben auch 
ihre Bewegungen, der Ausdruck ihrer Mienen, die Bil- 
dung ihrer Züge roh und unverständlich. Auch in den 
Perioden vollendeter Civilisation kommen schwankende, 
unsichere Charaktere vor, welche dies in ihrem Aeussern 
zeigen, aber dann weiss der Maler solche Personen in 
das rechte Licht zu stellen, ihnen eine Einheit zu leihen, 
Welche sie ilicht besitzen. Wenn aber diese Erscheinung; 
die vorherrschende ist, dann bildet sich auch nicht die 
Vorstellung einer solchen Einheit aus; der Maler schwankt 
selbst und Weiss nicht, Worauf er zu sehen hat. Hier 
wurde diese [Tnsicherheit noch durch die Rücksicht auf 
alte Vorbilder verstärkt, welche die Phantasie wohl eini- 
germassen berührten, aber doch nur halb verstanden wur- 
den, und an das Ungewisse und Undeutliche gewöhnten. 
Wir begreifen hiernach wie es zuging, dass der 
Kunsttrieb, der noch nicht die Kraft und Klarheit hatte, 
seine Aufgabe im Gebiete des individuellen Lebens zu 
erkennen, sich nur an allgemeinen Verhältnissen äusserte. 
Im Ganzen ist dies die Regel, die wir bei allen Völkern 
bestätigt finden; der Schönheitssinn regt sich immer zuerst 
in sich selbst, unabhängig von dem wirklichen Leben, 
im Unbestimmten und Allgemeinen; er übt sich daran, 
um erst später zu dem Individuellen überzugeheir. Nur 
darin besteht der Unterschied dieser gernlanischen Kunst 
richtung, dass sie nicht, wie die aller andern Nationen, 
an den grosscn Aufgaben der Architektur, sondern in 
kleinen und leichten Orniunenten sich äusserte, und dass 
sie 
gleichzeitig 
auch 
Darstellungen 
des 
Lebens 
wagte 
        

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