Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-903897
Schwäche 
der 
höhern 
Leistungen. 
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nehmen des Fremden, unterdrückt die Energie. Es ist 
eine bekannte Erfahrung, wie blind die sogenannten Stu- 
bengelehrten in allen Dingen des Lebens sind, wie fremd 
ihnen die alltäglichsten Erscheinungen bleiben. Je grösser 
nun die Masse des Aufzunehmenden ist, je fremdartigcr 
und schwerer sie scheint, desto weniger kann sich das 
Auge bilden. Es war daher kein Wunder, dass diese 
armen Mönche, die schon in der Wissenschaft gewohnt 
waren mit Halbverstandenem sich zu begnügen, die zwi- 
schen Kasteiungen und gedankenloseil Wortstudien, von 
grammatischen Formeln ermüdet an die Arbeit kamen, 
das Leben nicht mit Unbefangenheit und offenem Sinne 
betrachteten. Die Laien, die Kriegsmänner, die jagd- 
lustigen Fürsten waren freilich in ganz anderer Lage; 
ihre frische 'l'hätigkeit brachte sie in beständige Berüh- 
rung mit der Natur. Aber auf feine Nüarleerl , auf den 
Ausdruck des Geistigen und Edeln wurden sie nicht hin- 
geführt; ihr Auge sah alles nur im Groben und Rohen. 
Die äussere Natur bleibt zwar immer dieselbe, aber der 
Mensch erkennt in ihr nur das, was seinen geistigen Be- 
dürfnissen entspricht, was er versteht, was er schon vor 
der Betrachtung gesucht und gewünscht hat. Das Mit- 
gefühl mit dem Leben, aus dem diese Wünsche und dies 
Verständniss hervorgehen, fehlte aber damals gänzlich; 
der Sinn war nur auf Festgestelltes und Ueberliefertcs 
gerichtet. Auch ist, wenn man wenigstens von den 
feinem Zügen in der Erscheinung des Menschen spricht, 
die Natur Ivii-klich nicht immer dieselbe. Der Mensch 
ist so sehr für geistiges Leben geschaffen, dass seine 
Gestalt immer von diesem abhängt; die Menschen glichen 
sich keinesweges zu allen Zeiten. Leicht kann man dies 
nachweisen, wenn man die Epochen ausgebildeter Kunst 
m.   34
        

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