Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-903604
500 
Karolingisclne 
Zeit. 
den verschiedenen Formen, die man von ältern Vorbil- 
dern entnahm, hinzu, ohne auf dieselben einzuwirken. 
Um den Geist einer architektonischen Epoche kennen 
zu lernen, müssen wir auf die Details, besonders auf die 
Proiilirung und Verzierung der Glieder sehen, dies ist die 
Sprache, in welcher der Architekt seine feinem Gefühle 
ausdrückt. Betrachten wir diese an der Aachener Kirche, 
auf die wir freilich beschränkt sind, die uns aber bei 
den Mitteln des Gründers und bei der Bedeutung des 
Monuments statt vieler Beispiele dienen kann, so ist es 
auffallend, wie vernachlässigt diese Details sind. In der 
allgemeinen Anordnung finden wir eine sehr verständige 
Ueberlegung, ja ungewöhnlichen Scharfsinn, eine künst- 
liche Form, die sich zwar an ein altes Vorbild anschliesst, 
aber doch eigenthümlich, nicht ohne das Verdienst freier 
Erfindung ist, und durch diese einen charakteristischen 
Zug germanischer Einfachheit und Consequenz erhält. 
In den Details dagegen herrscht zwar dieselbe Einfachheit, 
aber bis zum Rohen und Geistlosen vor. Es ist merk- 
würdig, 
den die 
dass von jenem Reichthume plastischer Formen, 
römische Architektur in ihrer letzten Zeit ver- 
schwendete, von den Arehivolten, Friesen, Gesimsen, 
von Palmetten , Eierstäbeil, und Wie diese Ornamente 
sonst heissen mögen, hier keine Spur vorkommt, Fenster 
und Thüren ohne alle feinere Ausarbeitung mit einfacher 
Ueberwölbung, die Arcaden ohne alle Gliederung sind. 
Die freistehenden Säulen in diesen Arcaden haben zwar 
ihre Basen und korinthischcn Kapitale; aber über diesen 
Schmuck im Grossen geht die Phantasie des Architekten 
nicht hinaus, und er versucht auch hier nicht einmal ihn 
auf feinere Weise mit dem Gebäude zu verschmelzen. 
Es 
lässt 
sich 
keine 
rohere 
Form 
denken 
als 
die 
Verbin-
        

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