Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-903544
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Die 
Karolingcr. 
Aus diesen Beschreibungen und aus dem mit ihnen 
übereinstimmenden alten Plane der Abtcikirche von St. 
Gallen , der uns glücklicherweise erhalten ist, erse- 
hen wir, dass man bei dem Bau grösserer Kirchen der 
länglichen Form, mithin dem Basilikentypus, treu blieb. 
Indessen erlitt diese Form doch schon bald manche Ver- 
änderungen , wenn auch nicht aus architektonischer 
Neigung, sondern nach veränderten Rücksichten des 
Cultus. Wichtig war besonders das gemeinsame Le- 
ben der Geistlichen , welches nach dem Vorbilde der 
Klöster auch an den bischöflichen Kirchen eingeführt 
wurde. Die grosse Zahl der Mönche oder Regularen, 
Welche sich zu den regelmässigen Andachtsübungen ver- 
sammelte, bedurfte nun eines angemessenen, der Gemeinde 
sichtbaren und doch abgesonderten Raumes; daher ver- 
längerte man denn die Apsis und versah sie mit einer 
davorliegenden Halle. Ferner war es seit dem sechsten 
Umgange von acht Säulen, das obere ebenfalls von einem Säulen- 
kreise und einem gewölbten Umgange eingefasst, über den sich die 
kreisförmige Kuppel erhob. Boisseree Denkm. d. Baukunst. am Niederrh. 
S. 1. Nach einer gereimlen Klosterchronik war diese Kirche so ein- 
gerichtet, dass sie auf Einem Steine ruhete, von Einem Steine ge- 
schlossen war. Indessen darf man dies wohl nicht (mit Lassaulx. 
die llrlathiaskapelle zu Kobern S. 52) für buchstäbliche Wahrheit hal- 
ten und schliessen, dass die Laterne auf der Kuppel mit Einem grossen 
Stein bedeckt gewesen. Dein mönchischen Chronisten kommt es auf 
eine fromme und allegorische Anwendung seines Scharfsinnes an, er 
bezieht jenen Einen Stein auf Christus, die S umherstehenden Säulen 
(des untern Stockwerks) auf die acht Seligkeiten. Die Gestalt der 
Unterkirche gab ihm hierzu die Veranlassung, die eine Säule, wor- 
auf sie (ihr Gewölbe) ruhet, betrachtet er als Grundstein. Um seine 
Allegorie würdig zu vollenden, benutzt er nun aber auch den 
Schlussstein des obern Gewölbes, der natürlich nur einer war. Viel- 
leicht war ihm die Technik des Gewölbes noch neu, so dass diese Eigen- 
schaft desselben, mit einem Steine zu schliessen, ihm besonders merk- 
würdig schien. Wir dürfen daher nicht zrveifeln, dass die beschrie- 
bene Kirche dieselbe ist, die wir noch jetzt haben.
        

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