Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-903528
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Die 
Karolinger. 
kische Kunst. laam, so linden wir in den Details keinen 
Anklang daran; vielmehr sind die Kapitäle, sowohl an 
den Säulen im Innern der Kirche als an den Pilastern der 
Kuppel durchweg römische. Sie mögen zum Theil von 
alten Gebäuden herrühren, zum Theil sind sie aber auch 
von Arbeitern der Zeit nachgebildet. Auch die Säulen- 
stämme sind keinesweges (was  ge- 
wesen Wäre) alle aus Italien herbeigeführt, ein grosser 
Theil ist von deutschem Granit. 
Alle andere Monumente, welche man der Karolingi- 
schen Zeit zuschreibt sind unsicher. In N ymw egen, auf 
der Stelle eines andern grossen karoliilgischen Palastes, 
sind noch die Mauern einer Kapelle in sechszehneckiger 
Form erhalten, ganz nach dem Plane der Aachener Kirche 
in etwa halber Grössegj. Eine Vorhalle des Klosters zu 
Lorsch an der Bergstrasse, Welche sehr eigenthümliche 
Formen mit Einmischung mancher antiken Details zeigt, 
erinnert an Karolingische Zeit H). Indessen dürften beide 
Bauwerke spätem Ursprungs , etwa aus dem zwölften 
Jahrhundert 
sein. 
4') Die Ausführung dieser Kapelle gestattet nicht, sie für ein 
WVerk der Karolingischen Zeit zu halten; sie scheint im 12. Jahn-h, 
wahrseheinlich aber auf Karoliilgischexi Fundamenten errichtet. Auf 
derselben Stelle ist noch die Concha einer andern Kirche erhalten, 
an welcher die Details wirklich karolingisch sein dürften. 
i") Die Formen dieser Vorhalle haben in der That viele Eigen- 
thiinxlichkeiten, die mit der Karolingischen Epoche zusammenhängen. 
Ich rechne dahin die römischen Kapitiile des untern Stockwerks, noch 
ganz in antiker Form, den Fries mit übereck gestellten Steinen zwi- 
sehen diesen Kapitälen, die kannelirten Pilaster des ohern Stockwerks 
und über diesen statt der Bogen oder des geraden Gebälks eine gie- 
helförmige Slerbindung, eine Form, welche wir an den Architekturen 
in karolingischen lllanuscripten und an den ältesten Bannen in Frank- 
reich vorfinden. Indessen ist die Technik des Mauer-Werks viel besser, 
als in Aachen, nnd lässt eher auf die Versuche der Nachahmung an- 
tiker Formen, die man im 12. Jahrb. wahrnimmt, schliessen.
        

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