Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-903433
Gallien. 
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behielten hier auch noch die Basilikenform. Gebäude, 
wenigstens grössere, welche wir dieser Zeit zuschreiben 
könnten, sind nicht erhalten; dagegen hat uns der Ge- 
schichtschreiber der Merowinger, der Bischof Gregor 
von Tours, ziemlich ausführliche Beschreibungen zweier 
grosser Kirchen, die vor und zu seiner Zeit gebaut wur- 
den, hinterlassen. So dunkel manche der von ihm ge- 
brauchten Bezeichnungen sind, so geht doch soviel dar- 
aus hervor, dass es längliche Gebäude, in Kreuzcsform, 
mit runder Chornische, mit Säulen im Innern und mit 
grader Decke von mässiger Höhe waren, mithin Basili- 
kengjl In den spätem Zeiten des merowingischen Ge- 
Werk erbaut. Vergl. de Cauinoilt, hist. sonnnaire de Paroli. au moyen 
age. p. 46 ff. pl. 2-4. So auch die übrigens sehr einfache und 
schmucklose Kirche de 1a Basse-Oeuvre in Beauvais, deren Abbildung 
bei de Caumont cours (Pantiquites monumentales pl. 47. 
 Hienigstens gilt dies von der Basilika zu Clerinont (Greg. 
Tur. l-list. lib ll. c. 16.) unbedingt. Er beschreibt sie als M50 Fuss 
slang, 60 breit, bis zur Decke im Hauptschitf 50 Fuss hoch; vor 
sder runden Apsis auf jeder Seite Flügel habend von zierlicher Con- 
wstruction, so dass das ganze Gebäude in Kreuzform ist, mit 42 Fen- 
nstern, '70 Säulen, 8 Thiirenßß Zu den Dunkelheiten gehört nicht 
sowohl das Wort camera, welches Binterim (Denkwiirdigkeiten Th. 
IV. Ahth. 1.) durch Gewölbe übersetzt, das aber nach den bei Du 
Cange Gloss. angeführten Stellen unzweifelhaft auch in dieser Zeit 
ein Täfelwerk bezeichnet. Eher das Wort capsum; es bedeutet den 
Rumpf eines Körpers und kann daher wohl auf das Schilf bezogen 
werden. Allein 0b das ganze oder welcher Theil? Da Gregor es 
bei der Höhe anführt und er ohne Zweifel die höchste Stelle des 
Gebäudes im Auge halte, so muss es das Mittelschiff sein. Auffal- 
lend ist die lgrosse Zahl der Säulen, namentlich weil sie so viel 
grösser ist als die der Fenster; vielleicht sind die Säulen einer Gal- 
lerie mitgezählt, vielleicht war die Basilika fiinfschißig. Die Pauls- 
kirche hatte 80, die alte Peterskirche in Rom noch mehr Säulen. 
Indessen wäre dann die Breite im Verhältniss zur Länge grösser ge- 
worden. Dunkler ist die andre Beschreibung, die der Basilika des 
h. Martin in Toni's (eod. cap. 14). Habet in longitudine pedes 160 
(nach andern [Jesartren 155). in latum 60, in altuni usque ad came- 
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