Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-903357
Die 
Ostgotheu 
in 
Italien. 
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ihre ländlichen YVohnungen waren ohne Zweifel kunst- 
los, mit dem Material, das die Gegend bot, meistens von 
Holz aufgerichtet. Aber bei alledem ist es ein Zeichen 
der formlosen, innerlichen Richtung dieser Völker, dass 
sieh keine Spur eines charakteristischen Elements auf- 
zeigen lässt , welches sie in die Baukunst einüihrtenäi). 
Die römische Architektur erlitt daher durch die Hand 
der germanischen Sieger überall keine Veränderung, diese 
bedienten sich der einheimischen Werkmeister und liessen 
ihnen freie Hand. 
Ziemlich genau können wir dies bei dem deutschen 
Stamme beobachten, der sich übrigens als der bildungs- 
fähigste zeigte, bei den Ostgotheiu in Italien. Theo- 
derich wünschte sich mit dem Glanze römischer Impe- 
ratoren zu umgeben, und seinen neuen Unterthanen nicht 
als ein Barbar, sondern als der Schützer und Erhalter 
ihrer Civilisation und ihrer Künste zu erscheinen. Schon 
diese politische Rücksicht konnte ihn veranlassen, die 
Baukunst zu begünstigen; es scheint aber auch, dass er 
selbst empfänglich für feinere Eindrücke War. Seine Edicte 
und die Briefe seines Geheimschreibers Cassiodor ent- 
halten interessante Beweise, dass er von dieser Kunst 
eine lilinivirkung römischer Sitte gewesen sein, jedenfalls wissen wir 
von diesen Bauten nichts Näheres, und der Schluss aus den angeführ- 
ten Stellen scheint nicht ganz sicher. 
d) Ein Beweis des Mangels architektonischer Vorbildung der 
Deutschen, auf den man mit Recht aufmerksam gemacht hat, ist, 
dass wir selbst für die gewühnlichsten Theile des Gebäudes keine 
ursprünglich (leutsclten VViirter haben; sie sind (z. B. Pforte, Dach, 
Mauer, Fenster) den lateinischen nachgebildet. Die Angelsachsen 
kannten kein anderes VVort für bauen als zimmern, getimlßrian. 
Imppeuberg Gesch. v. Engl. I. 170. Auch bezeugen Vitruv und 
Plinius von den nördlichen Völkern Bluropas, Tacitus und noch He- 
rodian von den Deutschen, dass sie nur in Holz, nicht in Steinen 
und Ziegeln bauten.
        

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