Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-903202
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Die 
germanischen 
Völker. 
bekannten, zu einer Lehre, welche die tieferen Geheim- 
nisse des Glaubens umgeht und eine rationalistische Be- 
greiflichkeit hinein zu bringen sucht, zeigt einen weltlich- 
verständigen, aber weniger tiefen Sinn. In Italien, in dem 
gebildetesten Lande des Westens, wo sie vereinzelt unter 
Römern lebten, begriffen sie die höhere Cultur wenigstens 
soweit, um die äussern Vortheile derselben, Ordnung und 
Gesetzlichkeit, Glanz und Bequemlichkeit sich aneignen 
zu wollen. Zwar fehlte es nicht, dass sie oft im Be- 
wusstsein ihrer Kraft mit Verachtung auf die Römer herab 
sahen, auch blieben sie persönlich von ihnen getrennt, da 
nach germanischer Ansicht nicht das Land, sondern die 
Herkunft das Recht bestimmte, nach welchem ein jeder 
lebte. 'l'heoderich versuchte es schon, beide verschiede- 
nen Stämme seiner Unterthanen zu verschmelzen; er umgab 
sich mit römischen Beamten, erliess Edicte im prunkenrlen 
Curialstyle der Kaiser, und stellte sich als den Beschützer 
der Künste und der Ueberreste des Alterthums dar.  Indes-- 
sen erlangten seine Gothen dadurch nur eine gefährliche 
Halbcultur, äussere Tünche bei innerer Rohheit, welche 
ihre alte Treue wankend machte und ihre Kraft lähmte. 
Nach sehr kurzer Zeit schon konnten sie, uneinig unter 
einander, den Kampf mit den Feldherrn Justinians ilieht 
mehr bestehen, und bald darauf wurde Italien eine leichte 
Beute der Longobarden. 
Auch diese bekannten sich anfangs und grösstentheils 
zur arianisehen Lehre, sie waren aber Weniger bildsam 
und aneignend als die Gothen; der germanische Geist 
erhielt sich daher bei ihnen reiner, sie mischten sich 
weniger mit den Römern. Ihre Regierung nahm niemals 
den monarehischeil Charakter an, wie die Theoderiehs, 
sendern die Könige hingen mehr von ihren Grossen und
        

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