Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-903124
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Die 
Kunst 
des 
Islam. 
Muhamedailer einen Vorzug; ihre Architektur erreichte 
eine höhere Entwickelung und grössere Eigenthümlichkeit, 
als wir der der Juden zuschreiben (lürfen, das Schön- 
heitsgefühl äusserte sich wenigstens in der Arabeske 
lebhaft und geistreich. Die Ursache dieser Erscheinung 
ist in der späteren Entstehung des Islam und in seinen 
Bestandtheilen zu suchen; er nahm die Resultate der 
Volksbildung heidnischer und christlicher Nationen in 
sich auf, die Kunst war schon zu tief in das Lebensblut 
des menschlichen Geschlechts eingedrungen, um ganz 
ignorirt zu werden. In Beziehung auf das Naturgefühl 
erscheinen dagegen die Muhamedanel- schwächer; wie 
kleinlich und gekünstelt sind ihre Bilder, ihre Ansichten 
gegen die urkräftigen grossartigen Anschauungen der 
hebräischen Dichter. Wir sehen hier die Folgen des 
Ursprungs der religiösen Begeisterung beider. Bei den 
Juden trug die Offenbarung den Stempel der tiefsten, 
wenn auch in menschliche Worte gekleideten Wahrheit, 
sie war nicht plötzlich aufgedrungen, sondern mit dem 
Leben des Volkes hervorgewachsen; die ganze Kraft 
der Natur lebte in ihr. Bei den Muhamedanern war der 
Koran das WVerk eines einzelnen, wenn auch bedeutenden 
Menschen, eine gewaltsam auferlegte Lehre, welche zu 
der grossen Natur in einem unbestimmten und beschränk- 
ten Verhältnisse stand, und den Beziehungen zu ihr den 
Charakter einer spielenden Willkür aufdrückte.
        

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