Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-903104
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Die 
Kunst 
des 
Islam. 
kann sich diese Hingebung, diese Innigkeit ausbilden, 
welche in den leichten, wirkungslosen Tönen die Stim- 
mungen des Gemüthes wiederklingexid empiindet. Mit 
Recht tragen daher die ehrbaren Anhänger des Propheten 
Scheu, sich dieser geistigen, jedem Zwangsgebote ent- 
fliehenden Kunst zu überlassen, sie würde sie nur zum 
sinnlichen Genusse reizen. 
Diese Beziehungen auf die Künste der Rede und des 
Tons können unser Urtheil über die Baukunst noch näher 
bestimmen. Wie jene poetischen Künsteleien lockt die 
architektonische Arabeske durch ihr Räthselspiel, fesselt 
die Seele durch den Schwung ihrer Linien, täuscht sie 
immer aufs Neue durch die Andeutung verborgener Regel, 
gewährt ihr eine Beschäftigung , welche keinen Ernst 
erfordert, immer abgebrochen und immer wieder erneuert 
werden kann, eignet sich zu endloser Fortsetzung wie 
jene redseligen Makamen des Hariri oder wie der Einklang 
des Reimes der Ghasele. In beiden dieselbe müssige 
Geschäftigkeit, ein sanftes Wiegen der Phantasie, eine 
Bewegung, welche das Gefühl des Daseins giebt, ohne 
zu ermüden. 
Diese Architektur entspricht daher im Ganzen wie 
in ihren Theilen dem Geiste des Islam, sie theilt dessen 
Vorzüge und zeigt sie im vortheilhaftesten Lichte. Sie 
nimmt in der Geschichte der Kunst, wie dieser in der 
Entwickelung der Menschheit, eine wichtige Stelle ein, 
wenn auch nur als Rückwirkung und Gegensatz. Denn 
in der That, wie die Vorzüge dieser geistigen Richtung, 
theilt sie auch ihre lilängel. Denn wenn an dem Aeussern 
der arabischen Gebäude anfangs ihre Einfachheit und 
Schmucklosigkeit imponirt, so fühlen wir bald die Leere 
des Formlosen und suchen nach einer weitern Durchfüh-
        

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