Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-902989
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Die 
Kunst 
des 
Islam. 
ment, das feurige, thätige, reine, vor; es war besonders 
in den eigentlichen Arabern wirksam, welche die semi- 
tische Stammverwandtschaft mit den Juden nicht ver- 
leugnen können. Später, nach vollbrachter Mischung mit 
andern orientalischen Völkern, tritt das andre Element, 
das der Einheit in Gott oder in der Natur, mehr in den 
Vorgrund, bald als pantheistischer Mysticismus, bald als 
starrer, gedankenloser Fatalismus, bald als üppige Schweiß 
gerei. Aber allen diesen verschiedenen Gestaltungen liegt 
immer dasselbe Gesetz zum Grunde, das des Contrastes, 
der unmittelbaren Verbindung des Höchsten und Niedrig- 
sten, des Alls und des Einzelnen, der Herrschaft und der 
Unterwerfung, der Entbehrung und der Schwelgerei, der 
dürftigsten Einfachheit und der buntesten Mannigfaltigkeit, 
der anhaltenden Ruhe und der angestrengten Bewegung. 
Wir finden es in allen Erscheinungen des muhamedani- 
sehen Orients, in der Geschichte der schnell aufblühenden 
und verfallenden Reiche, in den Systemen der Denker 
und Philosophen, in den Liedern der Dichter, in den Anek- 
doten der Chronisten wieder. Für die ruhige, stufenweise 
Entwickelung, für das N ebeneiilanderbestehen verschiede- 
ner, verwandter Individualitäten, fehlt ein für allemal der 
Sinn; der Verstand, mit seinem Gesetze des Wider- 
spruchs, bildet die Grundlage, das Gefühl, mit seiner 
Verwandtschaft zur Natur kann nicht unverkümmert be- 
stehen. Indessen ganz unterdrücken lässt sich das Gefühl 
für die Natur überhaupt nicht, und hier fand es sogleich 
durch die Sinnlichkeit, die wie gesagt gewissermassen 
die Sanction des heiligen Buches erhalten hatte, Eingang. 
Auf diesem Wege konnte es sich aber nur als subjective 
Neigung, als Genuss oder Begierde, nicht als objeeti- 
ve Anerkennung ausbilden. Dies um so weniger, als
        

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