Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-902958
Ihre 
Beziehung 
Zllf 
Religion. 
4-35 
sie. Wir sehen also schon im Koran das Princip ausge- 
sprochen, welches sich später immer deutlicher entwickelte, 
die Verbindung der schärfsten Abstraction mit der voll- 
sten Sinnlichkeit, einer einseitig geistigen Tendenz mit 
einem groben Materialismus. 
Diese Verbindung, so widersprechend auf den ersten 
Blick ihre Elemente erscheinen, ist nicht auffallend und 
unnatürlich; die Extreme berühren sich, die Abstraction des 
Verstandes schlägt leicht in eine materialistische Ansicht 
um. Besonders dem Orient lag diese Verbindung des 
Gegensatzes nahe; wir können sie in allen frühem Reli- 
gionssystemen wahrnehmen. Bei Indern und Aegyptern 
war mit einer sinnlichen Grundlage die Neigung zur Ab- 
straction, bei Persern und Juden mit einem sehr geistigen 
und verständigen Anfange ein sehr materialistisches Re- 
sultat verschmolzen. Allen diesen Systemen stand das 
des Koran nicht gar zu fern. Im Bekenntniss herrscht 
zwar der Monotheismus, strenge wie im Judenthum, aber 
in praktischer Beziehung ist eine grössere Aehnlichkeit 
mit dem kriegerischen Dualismus der Lehre Zoroasters 
nicht zu verkennen. Der Diener Allahs ist wie der des 
Ormuzd zum Kampfe aufgerufen und ein geistiges Reich 
steht der Natur gegenüber. Der einsame Gott steigt zwar 
nicht auf die Erde herab, aber diese erscheint auch nicht 
so verflüchtigt wie in der hebräischen Anschauung. Viel- 
mehr nähert sich die Praxis des Islam auf dieser Natur- 
seite sogar den heidnischen Systemen; denn Allah leiht 
den Namen, aber die Natur Waltet, zwar ohne dass ihr 
göttliche Ehre dargebraeht würde, aber deshalb nur um 
so freier und zügelloser. Mag) kann sagen , dass die 
schweigende Ueppigkeit des Inders, die knechtische Furcht 
des Baalsdieners, die starre Gesetzlichkeit des Aegypters 
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