Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-902927
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Die 
Kunst 
des 
Islam. 
Farben so vertheilt, dass die eine den Grund giebt, die 
andre die darauf liegende, lineare Zeichnung. Indessen 
hinderte dies nicht, dass auch bei künstlichem Arabesken 
der Grund innerhalb gewisser Linien dunkler angegeben 
wurde, um so eine abgeschlossene Figur anzudeuten, 
deren Bedeutung aber wieder durch die Verschlingung 
ihrer Linien zu andern Figuren aufgelöst wurde. Es gab 
dies die Gelegenheit bei der benachbarten, verwandten 
aber abweichenden Figur wieder andre Stellen zu betonen, 
und dadurch einen andern Gedanken anzuregen, ähnlich, 
als 0b ein Musiker dieselbe Melodie aber mit völlig ver- 
ändertem Ausdrucke wiederholt. Man sieht, es ist überall 
auf künstliche, selbstgeschaffene Aufgaben, auf überra- 
schende Lösungen, auf ein neckendes Spiel abgesehen. 
Eine bestimmte, positive Eigenthümlichkeit ist hie- 
nach der arabischen Kunst nicht abzusprechen. Allein eine 
weitere Frage ist, 0b wir diese für einen wirklichen und 
vollen Ausdruck ihres Geistes halten dürfen. Auf den 
ersten Blick erscheint es befremdend, dass sie grade auf 
diesem leichten und zweideutigen Gebiete ihre Meister- 
schaft bewähren, und dass ihre architektonische Richtung 
dahin ausläuft. Das religiöse System, sogar die morali- 
sche Lebensansicht des Islam hat etwas Grossartiges und 
Imponirendes, eine, man kann wohl sagen, architektoni- 
sche und einfache Schönheit. Die Einheit Gottes, Welche 
alle Zweifel niederschlägt, der Glaube an eine unbedingte 
Vorausbestimmung , die rücksichtslose Hingebung, welche 
dadurch bei den Gläubigen entsteht, geben dem Leben 
der muhamedanischen Völker etwas, überaus Gediegenes, 
eine Ruhe, welche auf uns immer eine mehr oder weniger
        

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