Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-902890
Charakter 
der 
A rabesken. 
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die doch nicht wirklich entstehen. Der Scharfsinn in der 
Führung dieser Linien, das Hinstreben nach einer be- 
stimmten Figur, das Ausweichen, wenn diese ihrer Voll- 
endung nahe ist, die weitere Verschlingung, die aus einer 
scheinbaren Unordnung wieder zu festerer Gestaltung 
übergeht und auch diese nicht vollendet, geben ein über- 
aus anmuthiges Bild. Man hat vermuthet, dass mathe- 
matische Studien für diese künstlichen Zeichnungen be- 
nutzt wären; gewiss ist, dass die Uebung in der Auflösung 
algebraischer Aufgaben und die Neigung zu künstlichen 
und spitzlindigen Fragen nicht ausser Zusammenhang da- 
mit stehen. Viele von ihnen sind so eigensinnig und 
verwickelt, dass man sie für ein Werk des Zufalls halten 
möchte; aber ohne Zweifel wurden dann solche Muster 
mit Sorgfalt aufbewahrt und überliefert. In andern Ara- 
besken herrscht die runde Linie vor, selten in streng 
mathematischer Gestalt, höchst selten als Kreis, sondern 
mehr pilanzenähnlich, doch so dass sich niemals eine 
völlige Pflanzengestalt bildet. Diese Curven haben immer 
einen vollen üppigen Schwung bei leichter Zierlichkeit; 
sie erinnern an die kühnen Linien, welche bei der raschen 
Bewegung krummer Säbel im Kampfe entstehen ü). 
Ein wichtiges Gesetz ist es dann ferner, dass un- 
geachtet der symmetrischen Abtheilung eine vollständige 
Gleichheit der correspondirendeil Felder vermieden ist. 
Innerhalb der einzelnen Arabesken findet wohl eine ge- 
wisse Wiederkehr- der Figuren statt, aber in solcher 
Weise, dass sie nicht bedeutend auffällt; denn diese 
i") In die Klasse dieser Arabesken gehören auch die Inschriften; 
die Buchstaben sind völlig zu Ornamenten geworden, in der ältern 
kulischeu Schrift durch ihre graden, nur unten abschweifenden Linien 
ernsten, in der spätem Nekschi-Schrift durch ihre künstlichen Ziige 
mehr abenteuerlichen und wilden Charakters.
        

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