Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-902889
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Muhamedanischc 
Architektur. 
Zeichnung einen Anlauf zum rechten Winkel nimmt, durch 
eine leichte Erweiterung desselben eine complicirtere 
Form hervorgebracht, oder der rechte Winkel zwar an- 
gefangen, die Linie aber sogleich gebrochen und in andre 
Verschlingungeil fortgeführt. Im Ganzen ist die Rich- 
tung der Linien im Verhältniss gegen die Einrahmung 
eine schräge, aber so dass die Diagonale selbst vermie- 
den ist und das Viereck, zu welchem diese Richtung als 
Diagonale gehören würde, nicht deutlich hervortritt. Hie- 
durch entsteht es denn, dass diese Linien sich nicht bloss 
einfach durchschneiden, sondern schon in ihrer Grundlage 
ein reiches Netz bilden. Auch dies wird aber nicht ein- 
fach und bestimmt sichtbar, sondern es werden nun zwei 
Linien vielfach gebrochen, in einander übergeleitet und 
zurückgeführt. Hiedurch können jener Anlage zufolge 
niemals rechtwinkelige Figuren entstehen, wohl aber bil- 
den sich vieleckige Formen, Sterne und Polygone, wo- 
bei die Sterne durch die Verlängerung ihrer Linien üher 
die Durchschnittspunkte, die Polygone durch ein Aus- 
weichen ihrer Linien sich wieder auflösen und in weitere 
Verschlingungen übergehen. Dazwischen kommen dann 
unregelmässigere Gestalten vor, wiederum sternartig oder 
vieleckig, in bunter anmuthiger Verwirrung, in der sich 
jedoch auch wieder einfachere namentlich rautenlörmige 
Figuren zu bilden scheinen, obgleich dafür gesorgt ist, 
dass sie sich nicht ganz abschliessen k). So wird überall 
die Phantasie gereizt, an regelmässige Gebilde erinnert, 
i) Will man sich den Gegensatz verschiedener Principien recht 
anschaulich machen, so vergleiche man mit diesen arabischen Mustern 
den griechischen Mäander, welcher ebenfalls aus blossen Linien- 
ziigen besteht, aber mit seinen ewig wiederholten rechtwinkeligen 
Umbiegungen die beständigste, einfachste, regelmässigste Wiederkehr, 
das "klarste und festeste Gesetz ausdrückt.
        

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