Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-902738
Alhambra. 
413 
Kühlung, Luftzug, Erfrischung, bequemen Genuss der 
Ruhe in der Hitze des Tages. Daher sagt ihnen auch 
die überreiche Decoration vollkommen zu; auch sie ath- 
met dasselbe wollüstige Behagen, ihre wechselnden tän- 
delnden Verschlingungen reizen das Auge, ohne ihm mehr 
als eine spielende, leicht zu unterbrechende Beschäftigung 
zuznmuthen. Selbst die abenteuerlichen, überraschenden 
Formen, die sich an Kuppehi und Säulen zeigen, gehen 
nicht zum Grossen und Schroffen über, sie sind nur muth- 
willige Abschweifungen der Phantasie, von der Anmuth 
beherrscht, von dem Reichthum besänftigcnd bekleidet. 
Und wenn dann das Auge, in dem Wechsel der Linien 
und dem dunkeln Glanze der Farben träumerisch spielend, 
auf den goldnen Inschriften weilt, so führt das Wort ge- 
wohnter Heiligkeit oder der dichterische Ausruf der Be- 
geisterung wieder auf die Schönheit des Orts, auf den 
Genuss des Moments. Das Ganze hat daher eine zu- 
smnnreilhängende Poesie, es ist ein heiteres Mährchen, 
ein lockendes elfeilartiges Spiel, das die Seele in siissen, 
traumerfüllten Schlummer einwiegt. Ich weiss ilicht, ob 
unser, an kräftigere Nahrung gewöhnter Sinn sich lange 
an diesen leichten, schaumartigen Gebilden erfreuen würde, 
Aber wir sind bewandert, weltbürgerlich genug, um uns 
auch in diese Stimmung versetzen, ihre Reize nach- 
empfinden zu können. 
Dieser Reiz der Ausschmückung würde ilach unsern 
Begriffen vielleicht durch bildliche Darstellung wirklicher 
Gestalten noch erhöht worden sein, und in der That ist 
diese auch in Alhambra nicht ganz verschmäht. Die 
Araber in Spanien hatten schon frühe das Verbot der 
Darstellung lebender Geschöpfe nicht strenge beobachtet, 
in Azzahra hatte der zärtliche Kalif sogar das Bild seiner
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.