Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-902153
Monumente 
der 
Moghuln 
in 
und 
bei 
Agra. 
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Innern noch reicher geschmückt, als der städtische Palast. 
Wichtiger und höchst eigenthümlich sind dagegen die 
Grabmonumente dieser Kaiser des Orients. Sie liegen 
nach der Gegend des zerstörten Delhi hin, entweder an 
den Ufern des Yamunastroms, in dessen majestätischen 
Fluthen ihre Kuppeln sich spiegeln, oder in der Mitte eines 
grossen Weihers, stets umgeben von ausgedehnten Gar- 
tenanlagen, welche dem Besuche des Volks geöffnet und 
durch zahlreiche Wächter geschützt sind. Eine oder zwei 
Moscheen sind gewöhnlich damit verbunden, doch ragt 
das Grabgebäude selbst über sie hervor. Es bildet ein 
mächtiges Vier- oder Achteck, von 'l'hürmen und Mina- 
reten begränzt, mit vier grossen Eingängen, welche durch 
ihre weiten Bogen zu dem mittlern Raume hinführen, wo 
auf erhöhter Stelle unter der Kuppel die Särge stehen, 
mit kostbaren Teppichen bedeckt, von einer Balustrade 
umschlossen, die mit Mosaik in den edelsten Steinen reich 
geschmückt ist. Es ist ein eigenthümlicher Zug an diesen 
oft milden und wohlthätigen, oft grausamen, immer aber 
gewaltigen Despoten, dass sie ihre Grabstätte mit einer 
zwar feierlichen und fürstlichen, zugleich aber dem Volke 
zugänglichen Pracht ausstatteten. Die römischen Impera- 
toren verhüllten in der nur äusserlich reich geschmückten 
dichten Mauermasse ihrer Monumente den Aschenkrug, 
diese kaiserlichen Verehrer des Islam prunken noch im 
Tode mit jener Freigebigkeit und Wohlthätigkeit, welche 
der Koran empfiehlt und zu den guten Werken rechnet. 
Sie wölben die weite Halle über ihrem einsamen Sarge 
und lassen das Volk durch die anmuthigen Gänge des 
Gartens und durch die weit geöffneten Pforten von allen 
Seiten wie zu einer Audienz herbeiströmen; sie versöh- 
nen durch diese Gemeinnützlichkeit für den zwecklosen 
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