Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-902055
Prachtbautezl 
der 
Sofiden. 
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dass die einzelnen Nischen sich zu einander verhalten 
wie die Kappen in den N etzgewölben der spätem gothi- 
sehen Architektur. Die Bogen sind theils rund, theils spitz, 
meistens aber breit, mit ausgeschweifter Linie und über- 
höhter Spitze, ähnlich der Form des Schiffskieles (Kiel- 
bogen). Bogen dieser Art Wiederholen sich an den langen 
Faeaden der öffentlichen Bauten von Ispahan ohne Unter- 
lass; sie haben freilich keinen constructiven Werth, indem 
sie nicht tragen, sondern selbst der Unterstützung durch die 
Mauer bedürfen, aber sie machen keinen ungünstigen 
Eindruck, sind leicht und frei. Sie ruhen gewöhnlich auf 
breiten Mauerpfeilern ohne Kapitäle. Säulen scheinen nur 
von Holz, zur Stütze grader Decken in Pavillons und in 
den s. g. Talars, den offenen Empfangssälen der Paläste, 
vorzukommen. Die Portale der Moscheen und Paläste 
bestehen gewöhnlich in einer grossen, hohen Halle oder 
Nische, welche oben mit einem Stalaktitengeivölbe in 
Gold und Azur reich glänzt und in deren Mitte sich die 
Thüre befindet. Ueberhaupt liebt die persische Baukunst 
heitere, freie, bequeme Formen; wenn auch die Strassen 
der Städte bei der Dürftigkeit der geringem Stände, wie 
überall im Örient eng, winklig, finster sind, so wird das 
Auge durch die schlanken mit glasirten Ziegeln buntge- 
schmückten Minarets, durch die offenen Hallen von Ka- 
ravanserais, öffentlichen Gebäuden und Palästen, durch 
die Pavillons der Sommerwohnungen erheitert. Wir er- 
kennen noch einen ähnlichen Geist, wie in der altpersi- 
sehen Architektur; wie diese ihre Säulenhallen auf luftigen 
Terrassen anlegte, so ist es auch hier auf Offenes, Freies, 
Heiteres abgesehen. Aber freilich geht dies auch in das 
Spielende und Kleinliche über und wir vermissen den feier- 
lichen Ernst, der in jener ältern Baukunst waltete.
        

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