Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-901788
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Byzantiner, 
Armenier, 
Russen. 
heitsgefühl, aber ein sehr schwaches, in kirchlicher Be- 
ziehung war es nur abwehrend, nur zur Bewahrung der 
ersten Ueberlieferung, ilicht zu freier Erzeugung stark ge- 
nug; in politischer Beziehung empörte es sich nur gegen 
die Fremdherrschaft, nicht gegen innern Druck. Daher 
blieb denn auch ihre Kunstleistung nur eine beschränkte. 
Man kann die individuelle Befähigung zur Kunst auch 
unter einem andern Gesichtspunkte betrachten, in Bezie- 
hung auf das Verhältniss des Geistes zur Natur. In 
diesem liegt die Ursache, wenn bei regem Freiheitsgefühle 
und vollem Freiheitsgenusse sich dennoch keine Kunst 
entwickelt i). Allein auch hier steht die fehlerhafte Ansicht 
mit einem Mangel an wahrer moralischer Freiheit in Wech- 
selwirkung; sie entspringt aus ihm , oder bringt ihn hervor. 
Im gesunden und Wünschenswcrthell Zustande der Dinge 
sieht der freie Mensch mit Liebe auf seine Mitgeschöpie, 
achtet in ihnen, wie in sich selbst, die göttliche Schöpfung. 
In der Noth der Sclaverei oder im Hochmuthe geistiger 
Ueberhebung sind sie ihm nur Gegenstände des Genusses. 
Bei diesen Völkern, die wir hier betrachtet haben, bedingte 
schon die Auffassung der religiösen Offenbarung zugleich 
eine knechtische Unterwerfung und eine Unempfänglichkeit 
gegen die Natur. Wenn die Lehre der Religion als eine 
fremde, dunkele, unverständliche, höhere betrachtet, wenn 
sie nicht aus freien moralischen Antrieben anerkannt, nicht 
als die Wurzel und Regel freier moralischer Ausbildung an- 
gesehen wird , trennt sie den Geist von der Natur, beraubt 
diese ihrer geistigen Bedeutung. Nur dann wenn das Chri- 
stenthum als die Krone und Spitze des Schöpfungswerkes, 
desselben, Welches auch die Natur erschuf, angesehn wird, 
dann giebt es wahre Freiheit, aber auch freilich die höchste. 
 Beiläufig gesagt, liegt hierin auch die Ursache, weshalb der 
moderne Bepublikanismus immer künstlerisch unfruchtbar ist.
        

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