Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-901744
Byzantiner, 
Armenier, 
Russen. 
sie giebt statt der Erklärung nur ein unerklärtes WVort. 
Wir verlangen die innern, physischen oder moralischen 
Gründe zu wissen, wir wollen auf den Boden der allge- 
meinen menschlichen Natur zurückgeführt werden. 
Die äusseren Umgebungen beider Völker, die An- 
schauungen, welche sie gewährten, die lilaterialien, welche 
sie lieferten, sind zwar höchst verschieden. Jene in wech- 
selnden, kühngebildeten, fruchtbaren Thälern wohnend, von 
einem Hauche frischer Gebirgsluft umweht, diese auf öden 
Steppen, in der ermüdenden Einförmigkeit eines nordischen 
Flachlandes, zwischen Wäldern und Morästen. Einiger 
Einfluss ist diesen Umgebungen zuzuschreiben; allein ent- 
scheidend sind sie nicht, wohnten doch die Byzantiner 
selbst auf dem Boden der Hellenen. Bei diesen können wir 
nun zwar die Verschiedenheit der Jahrhunderte aus dem 
Wechsel der religiösen Ansichten herleiten; allein auch 
die Religion allein giebt nicht eine durchgreifende Er- 
klärung der künstlerischen Formen. Im Abendlande rief 
das Christenthum ganz andere Erscheinungen hervor, wie 
im Orient. Die blosse Ueberlieferung, das blosse Bejahen 
der Frage im Glaubensbekenntnisse bestimmt noch nicht 
die Religiosität. Es kommt auf die moralische Auffassung 
an; auch diese aber war, ungeachtet der dogmatischen 
Häresie der Armenier, bei allen drei Völkern ziemlich 
dieselbe. Wir greifen schon tiefer, wenn wir auf den 
Stammcharakter des Volks eingehen; bei den Arme- 
niern fühlen wir einen Anklang des ernstern und ritterlichen 
Geistes der persischen Stämme, bei den Slaven herrscht 
eine gröbere Sinnlichkeit. Aber auch dies bildet keinen 
letzten Grund; die Nationen können sich erheben oder er- 
niedrigen, im Leben der Völker giebt es keinen unveräusser- 
liehen Adel, ihr Werth, ihre Gestaltung ist veränderlich.
        

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