Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-901713
Sculptur 
und 
Malerei. 
311 
Auch in Beziehung auf das Aufnehmen des Fremden 
steht die Gestalt beider Künste in Zusammenhang. Die 
Architektur hat muhamedanische Formen nicht bewusster 
Weise nachgeahmt, wohl aber hat die Berührung mit 
den Völkern des Orients einen Einfluss auf den Geist 
des Volks geübt, es hat es an Despotie und Solaverei 
gewöhnt. Und diese Gesinnung hat auf die Ausbildung 
der Baukunst Einfluss gehabt, sie hat ihr diesen zugleich 
sinnlich reichen, und geistig flachen und ärmlichen Styl 
gegeben. Ebenso steht sie aber mit der Gestaltung der 
Malerei in Verbindung. Wie bei den Völkern des west- 
lichen Asiens überhaupt der bildnerische Sinn unkräftig 
ist, so dass er auch da, wo er sich auf einer frühern 
Stufe noch einigermassen regte, später ganz erlosch, so 
erstickte diese halborientalische Richtung auch bei den 
Russen die ohnehin schwache künstlerische Anlage. Der 
flachen Architektur, dem Mangel der Durchbildung der 
Theile entspricht die matte, gespenstische Gestalt des 
Gemäldes; neben der spielenden, willkürlichen Bauform 
konnte der Sinn für die wahre Form und Schönheit des 
Körperlichen nicht erwachen und selbst; nicht sich erhal- 
ten. Diesen Mangel des Formensinnes haben die Slaven 
mit allen nomadischen Völkern gemein, wie denn auch 
in ihrer Lebensweise etwas halbnomadisches erhalten ist. 
Bei den südlichen Nomaden wird dieser Mangel einiger- 
massen durch einen andern Vorzug aufgewogen, durch 
die Regsamkeit und Kraft ihrer Phantasie, welche ihre 
Sprache mit Bildern füllt, und ihnen eine poetische An- 
lage giebt. Auch diese Eigenschaft ist aber bei den Slaven 
nicht kräftig und bedeutend.
        

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