Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-901671
Sculptur und 
Malerei. 
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ken und Hohen gegen das Runde und Flache einen ern- 
sten Charakter; hier ist das bunte Gewimmel von Formen 
und Farben nur spielend und heiter, oder prunkend und 
üppig. Es kann das Auge wohl augenblicklich fesseln 
und erfreuen, bei längerer Betrachtung ist es ein verwir- 
rendes, unruhiges Bild. Noch weniger befriedigend ist 
diese Architektur, wenn wir ihr näher treten und die 
Details betrachten. Grade neben jenem glänzenden Schein 
der Dächer und Kuppeln, neben den wildwechselnden, 
üppigen Formen der Thürme und Wölbungen und den 
hellen, blendenden Farben der Wände bildet die hlager- 
keit und Dürftigkeit der Details, der Mangel architektoni- 
scher Glicder einen sehr unangenehmen Contrast. 
Um diese Architektur völlig zu würdigen, müssen 
wir einen Blick auf den Zustand der andern Künste in 
diesem Lande werfen. Die Sculptur existirt hier (ich 
spreche natürlich nur von nationaler Kunst, nicht von der 
neuen akademischen Kunstübung, welche in Russland wie 
im Abendlande von Fremden oder nach fremden Vorbil- 
dem cultivirt wird) gar nicht; sie fehlt so sehr, dass der 
byzantinische Marmor-Sarkophag des Grossfiirsten Jaros- 
law in der Kathedrale zu Kiew aus dem 11. Jahrh., mit 
seinen Ornamenten von Bäumchen und Vögeln als die 
einzige plastische Arbeit in Marmor angeführt wird. Da- 
gegen ist Russland mitMalereieni-i) angefüllt, die Wände 
der Kirchen sind damit bedeckt, jede Ikonostase enthält 
i) In einigen der ältesten Kirchen finden sich noch wirklich 
byzantinische Mosaiken und Malereien. Namentlich hat man in der 
Sßphieflkirßhe in Kiew vor Kurzem unter der dicken Tünche der 
Wände ausgedehnte Frescomalereien, Gestalten in kolossalel-Dimen- 
Sinn und in gutem byzantinischen Style entdeckt. Die Mosaiken am 
Hauptaltar und an den Bogen waren schon früher bekannt. Vergl. 
anÄllSlälHd" 1843. n. 343. 
2m
        

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