Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898760
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Verfall 
des 
römischen 
Reichs. 
Wenigstens in ihrer Mehrzahl, nicht ganz von einem 
Ueberreste heidnischen Geistes frei. Jene christlichen 
Gemeinden, wie sie sich unter dem Drucke der Verach- 
tung und der Verfolgung ausbildeten, gehören zu den 
schönsten Erscheinungen. Hingebende Frömmigkeit, Glau- 
bensmuth, unerschütterliche Festigkeit, dann wieder die 
Sittenreinheit, der brüderliche, milde Ton, der sich in 
ihnen bildete, die Anhänglichkeit an die Genossen der 
Liebesmahle, an die stille Häuslichkeit der Familie, alle 
diese Züge zusammen geben ein erfreuliches und nach- 
ahmungswürdiges Bild. Aber in seiner Reinheit konnte 
dieser christliche Geist nur so lange bestehen, als er sich 
einsam und abgesondert von dem öffentlichen Leben hielt; 
bei jedem Heraustreten musste er sich heidnischer Sitten 
und Gesetze bedienen und dadurch in Zwiespalt mit sich 
gerathen. Für die Gestaltung eines eigenen Staates, 
eigner öffentlicher Verhältnisse war er noch nicht reif, 
wie dies die Geschichte nach der Anerkennung des Chri- 
stenthums durch Constantin nur allzu deutlich zeigt. 
Neben der stillen Wirksamkeit des neuen Geistes in 
der Verborgenheit christlicher Familien und Zusammen- 
künfte, wogte das äussere Leben in buntester Verwir- 
rung. Schon die Mischung der Völker liess eine Einheit 
der Sitte nicht mehr aufkommen. In Rom selbst sah 
man den weiten Talar des Orientalen, den kurzen Rock 
er nicht Christ war , geht aus den Vorwürfen , welche er an 
mehreren Orten den Christen macht und mehr noch aus dem Lobe, 
welches er dem abtrünnigen Julian freigebig ertheilt, deutlich hervor. 
Dennoch scheint er an Einen Gott zu glauben (Etat tamen pro nobis 
aeternum Dei coelestis numen. lib. 25. c.  und dem Christenthilme, 
wenn es nur einfach gehalten würde, nicht abgeneigt zu sein (Chri- 
stianam religionem absolntam et simplicem anili superstitioxle cunfun- 
dens, sagt er von dem Kaiser Constavntiuxs lib. 21. c. 
        

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