Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-901619
Eigenthümlicher 
StyL 
301 
schon mit einigen theils zweckmässigen, theils phantasti- 
schen Veränderungen. Die Tonnengewölbe sind nämlich 
auch hier als äusseres Dach behandelt, aber sie sind im 
Aeussern nicht mehr halbkreisförmig, sondern laufen oben 
in einen spitzen Rücken zusammen, so dass sie sich der 
Gestalt nordischer Dächer nähern, und dadurch dem Re- 
gen und Schnee nicht die breite Fläche darbieten, zugleich 
aber durch die geschweiften Seiten eine sonderbare, zelt- 
artige Gestalt erhalten. Ausserdem aber hat dies Ge- 
bäude nicht fünf, sondern neun Kuppeln, um die Mittel7 
kuppel herum zwei Vierungeng). 
Die höchste Stufe des Wilden und Phantastischen 
erreichte 
die 
russische 
Architektur 
in 
der 
Mitte 
des 
Jahrhunderts unter einem Fürsten, den die Geschichte 
verabscheut und dessen Sarg seine Nachkommen selbst 
in der Fürstengruft mit schwarzem Tuche verhüllt haben, 
unter Iwan dem Grausamen. Noch im Anfange seiner 
Regierung gründete er, um die Eroberung von Kasan zu 
feiern, dieses Heiligthum (1554); dem Architekten, einem 
Fremden, befahl er, das Beste zu leisten, was seine 
Kunst vermöge, und mit dieser Leistung war er so zu- 
Frieden, dass er, damit keine andre Stelle sich eines sol- 
chen Wunderwerks erfreue, ihn tödten liess. S0 wenigstens 
 Die Lage dieser Kirche, welche mit ihrer Weslseite nahe 
an den Palast anstiess, in Verbindung mit der festen Observanz den 
Altar in Osten und den Eingang gegenüber zu legen, nöthigte den 
Architekten die äussern Eingänge auf der Oslseite neben den Chor- 
nischen anzubringen, Wo sie dann in einen Cßflidül" führen, durch 
den man zu der eigentlichen Thiire der Kirche in Westen gelangt. 
BliISillS ß- a- O. 345. Diese eigenlhümliche Anordnung mag dazu bei- 
getragen haben, ihn zu bestimmen, auf den vier Ecken dieses Cor- 
ridors ebenfalls vier (niedrigere) Kuppeln zu errichten, die ersten 
beiden als Zierde der Eingänge, die zwei andern der Symmetrie 
halber. Indessen fand das Beispiel Nachahmung.
        

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