Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-901600
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Die 
russische 
Architektur. 
durch 
das 
bunte 
Wirrsal 
dieses 
Schmuckes 
Verkündi- 
genili).  
Glockenthürme sind erst in neuester Zeit mit den 
Kirchen verbunden, in den eigentlich russischen Bauten 
stehen sie abgesondert; im Kreml von Moskwa dient ein 
Glockenthunn (Iwan Weliki) für alle dort beiindlichen 
Kirchen. Diese Thürme bestehen immer aus mehreren, 
sich verjüngenden, meist achteckigen Stockwerken, auf 
der Basis eines viereckigen; sie sind häufig mit einer 
Spitzsäule gekrönt, auf welcher noch eine flache, zwie- 
belartige Kuppel wie ein kolossaler Thurmknopf aufliegt. 
Am Fusse dieser Spitzsäule befindet sich oft. ein sonder- 
barer Zierrath; es sind kleine Giebel von kreisrunder, 
ogivaler oder kielförmiger Aussenlinie ringsumher ange- 
gebracht, meistens in mehrern Reihen übereinander auf- 
steigend, aus denen der obere Aufsatz wie aus einer 
Blätterkrone hervorwächst. Ein höchst bizarrer, unschö- 
ner, der russischen Architektur völlig eigenthümlicher 
Schmuck. 
Die Ausbildung dieses Styls scheint in das 16. und 
17. Jahrhundert zu fallen; Wir können sie einigermassen 
verfolgen. Der Kreml inMoskwa, der Sitzder Beherr- 
scher des Landes, kann uns unbedenklich dabei leiten. 
An jene zwei Hauptkirchen des Kreml, die ich oben er- 
wähnte, reiht sich der Zeit nach ganz nahe die dritte an, 
die Kirche der Verkündigung (Blagoweschtschenskoi 
Saborr). Sie wurde von einem italienischen Architekten, 
Aloisio, erbaut (MSEIQIÖOS) und zeigt noch in den we- 
sentlichen 'l'l1eilen byzantinische Ueberlieferung, jedoch 
1') Das Kloster Kyrillof am Onegasee hat 24 Kuppeln, das Städt- 
chen Ustjug-WVeliki von 10,000 Fliuw. 30 Kirchgn mit 120 Thürmel 
oder Kuppeln. Blasius n.a. O.
        

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