Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-901526
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Die 
russische 
Architektur. 
sehen Künstlern im russischen Reiche auch andre Frem- 
de, wahrscheinlich Deutsche, erwähnte]. 
Bei einem Volke von bereits ausgebildeter eigen- 
thümlicher Kunstrichtung würde dieser Andrang fremd- 
artiger Formen spurlos vorübergegangen oder durch Mit- 
theiluxig technischer Vortheile nützlich geworden sein; 
aber auch ohne solche N aturanlage würde bei einem Volke 
von geistiger Regsamkeit in diesem Momente die Natio- 
nalität sich mächtig erhoben haben. Der glückliche Kampf 
mit den Mongolen , die endliche Befreiung von dem 
schmählichen Joche musste den Russen Selbstgefühl ver- 
leihen, wenn sie dessen fähig gewesen wären. Allein ihre 
moralische Kraft War im Laufe der Geschichte immer 
mehr unterdrückt; der Sinn für Freiheit, welcher, freilich 
in rohester Gestalt, bei ihnen anfangs bemerkbar war, 
unterlag zuerst der Demüthigung eines äusserlichen und 
sinnlichen Cultus, dann der erniedrigenden Herrschaft eines 
rohen Volkes, endlich der Tyrannei ihrer eigenen Blürsten 
und Grossen, welche während jener unglücklichen Jahr- 
hunderte ungehindert um sich gegriffen hatte. Wohl er- 
leichterte die grosse Bodenfläche des Landes dem Volke 
eine gewisse, passive Bewahrung der Nationaleigenthüm- 
lichkeit; es war nicht möglich, dass fremde Einflüsse, 
zumal so getheilte und widerstrebende, hier durchdringen 
und zur Herrschaft gelangen konnten. Allein eine solche 
passive Beharrlichkeit genügte nicht, um höheres geisti- 
ges Leben zu erzeugen. Auf" allen geistigen Gebieten 
war völliger Stillstand, wir dürfen in der Kunst nichts 
anderes erwarten. Es ist ein bemerkenswerthes Er- 
eigniss , 
dass 
unmittelbar 
nach 
der 
Befreiung 
VOII 
den 
 Strahl a. a. 0. Th. I. S. 295. Th. II. S. 148, 
Adelung, die Korssunschen Thüren, Berlin 1823. 
1 022 
151.
        

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