Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-901324
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Arlnenische 
Architektur. 
sind dagegen die Rundbogen mit einer viereckigen Ein- 
rahmung versehen, also in einer Form, die wieder mauri- 
sehen Bauten gleicht. Die Kapitäle der Säulen, die Ver- 
zierung der Gesimse, Arehivolten und anderer Bauglieder, 
die Form der Fenster und der Kuppel, die Anordnung 
der Haupt- und Nebenseliiffe sind ganz in demselben 
Geschmack wie in Kutais k). 
zeigen, sondern solche Länder, wo so viel wir wissen, keine Arme- 
nier hinkamen. Auch bemerken WederDubois noch Texier dass solche 
Formen auch in andern armenischen Bauten vorkommen. Viel wahr- 
scheinlicher ist es, dass wirklich abendländische Baumeister (etwa in 
Folge der Kreuzzüge, vermittelst der Verbindung des armenischen 
Königreichs in Cilicien) hier im 18. Jahrhundert gewirkt haben. Unter 
der mongolischen Herrschaft waren in dieser Zeit die einheimischen 
Fürsten so wenig gehemmt, dass sie (wie ein späterer armenischer 
Schriftsteller Johannes Katholikos erzählt) Kirchen erbauen und reich- 
lichst. ausschmiicken konnten. Es mag daher wohl sein, dass sie die 
verfallende Kirche ihrer Hauptstadt, vielleicht nur im Innern, mit Er- 
haltung der alten Mauern herstellen liessen und sich dazu europäischer 
Baumeister bedienten, welche sich aber in Beziehung auf technische 
Einzelheiten der Gewohnheit ihrer Arbeiter fügen mussten. Die In- 
schrift würde dann entweder mit der Mauer selbst erhalten oder aus 
der alten Kirche, als ein wichtiges Dokument, auf die neue übertragen 
worden sein. Dies ist um so weniger unwahrscheinlich, als, wie alle 
Reisenden bemerken, die Armenier einen Reichtlnnn an Inschrifteil 
lieben, so dass die Gebäude damit bedeckt sind. Sehr möglich, dass 
in einer noch nicht übersetzten dieser schwer verständlichen Inschrif- 
ten auch der Name des spätem Restaurators erhalten ist. Erst die 
Zerstörung Anils durch Timur (1386) traf die alte Kapitale mit einem 
Schlage, von dem sie sich nicht wieder erholte. Erst hier ist daher 
die unzweifelhafte Gränze der Bauthätigkeit. Die lichte Länge des 
ganzen Gebäudes giebt Texier auf 32, die Breite auf 20 metres an. 
Die Seitenschiffe haben nicht ganz die halbe Breite des Mittelschiifs. 
4') In seinem Reisewerke von Armenien giebt Texier (pl. 26) 
auch den Grundriss und die Ansicht einer sehr interessanten Grahkalaelle 
aus Ani. Sie ist ein Rundgebäude aus sechs halljkreisfornzigen Ni- 
schen zusammengesetzt, deren zusammenstossende Spitzen im Innern 
WVandpfeiler bilden, auf denen die Kuppel ruht; mithin ganz im ar- 
menischen Systeme und die vollkommensie Durchführung (lesselben.
        

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