Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-901317
Die 
Kathedrale 
VOll 
Ani. 
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wie S. Ripsime in Vagharschabad, völlig die Gestalt eines 
Rechtecks, ohne irgend einen Vorsprung, so dass wie 
dort die Chornische und die beiden Eingänge der Süd- 
und Nordseite durch zwei einwärts gehende Nischen 
bezeichnet sind; auf der westlichen Faeade fehlen diese 
Nischen. Bei dieser Aehniichkeit des äussern Grundris- 
ses mit jener Kirche ist aber die Ornamentation reicher 
und ganz der von Kutais ähnlich, indem alle vier Facadezl 
durchweg mit Arcaden auf schlanken Halbsäulen verziert 
sind. Noch mehr Wie-die Kirche von Kutais erinnert 
diese an christliche Kirchen des Abendlandes, besonders 
auf der Westseite, wo die einwärtsgehenden Nischen fehlen 
und die niedrige Thüre mit einer nach innen zugehenden 
Reihe von drei durch Rundbogen verbundenen Halbsäulen 
ausgestattet ist "Ü. An den Portalen der Seitenfacadeil 
r) Durch den Anblick des Innern wird man noch mehr an 
abendländische Bauten erinnert. Die Kuppel ruht nämlich auf vier, 
quadratisch gestellten Biindelpfeilern, die völlig wie in unsern Kir- 
cheu des Mittelalters gegliedert sind, und aus wechselnden Lagen 
schwarzer und gelber Steine bestehen, wie man ähnliches im 12. u. 13. 
Jahrh. in Italien lindet. Sie sind auch durch Spitzbogen verbunden 
und ihnen entsprechen an den Seitenwänden in Süden und Norden 
Halbpfeiler derselben Form, zu deren Bildung die ausserhalb ange- 
brachten einwärtsgehenden Nischen benutzt sind. Man würde das 
Innere durchaus für das einer italienischen Kirche aus jener Zeit hal- 
ten können, wenn nicht. die Bedeckung durchweg tonnenartig (nicht 
im Kreuzgewölbe) ausgeführt wäre. Wegen dieser Uebereinstimmung 
der bezeichneten Formen mit der abendländischen Architektur schrieb 
Texier in seinem ersten Aufsatze (a. a. O.p.26) den Bau dem 13. oder 
14. Jahrh. zu. In dem zweiten (p. 97) fügt er sich der Autorität 
der Inschrift und deutet auf die Möglichkeit hin, dass diese Formen 
von armenischen Baumeistern nach der allgemeinen Auswanderung 
über Europa verbreitet seien. Eine Annahme, welche durchaus un- 
haltbar ist, theils weil diese Formen im Abendlande mit constructiven 
Riicksichten in Verbindung standen, welche dem armenischen Bau 
fremd sind, theils weil gerade die Länder, wohin die ausgewanderten 
Armenier gelangten, Polen, Galizien, Südrussland, diese Formen nicht
        

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