Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898726
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Verfall 
des 
römischen 
Reichs. 
hafte für kräftig gehalten; das Auge gewöhnteÄsicln an 
das Unnatürliche, weil man es mit dem Uebernatürlichen 
verwechselte. 
Die Tempel der Götter wurden leer, und auch die, 
welche vor den Altären knieeten, dachten sich den Gott 
nicht mehr unbefangen in seiner mythischen Gestalt, 
sondern suchten unter derselben ein Verbcrgenes, Höhe- 
res, Inneres. Die ruhige Hingebrlng und Liebe, die un- 
befangene Freude an der Schönheit war nicht mehr; der 
Sinn für diese wurde nicht mehr geübt. 
Diese veränderte Richtung des Volksglaubens war 
vielleicht eine tiefere, aber dennoch wirkte sie auf die 
Sitte verderbliclr. Jene alte mannhafte Tugend, die 
Anhänglichkeit-an das Vaterland und seine Gesetze, 
die Ehrbarkeit und Mässigung der alten Römer, sie alle 
beruhten auf demselben Glauben an die Würde und 
Schönheit der äussern Erscheinung, welcher die Götter 
gebildet hatte. Mit diesem Glauben zugleich verschwand 
ihre Bedeutung und es fehlte nun an einer festen Richt- 
schnur des Handelns; Klügeleien und Willkür traten an 
die Stelle eines ehrwürdigen Herkommens, das gegen- 
seitige Vertrauen schwand, die Bande der Pflicht und 
der Liebe lösten sich, und das Bewusstsein innerer Un- 
sicherheit lähmte überall die Kraft der That. Daher denn 
Schuräclue und Halbheit, daher unglücklich gewählte, 
verderbliche Mittel, und allmälig immer mehr Missver- 
hältnisse , Unmuth und Llnwillen. Auch der thöriehte 
Stolz auf die Verdienste der Vorfahren wirkte verderb- 
lieh. Das edle Selbstgefühl, das aus dem Bewusstsein 
eigner Kraft und Würde hervorgeht, ist erhebend und 
treibt zur Tugend an, der Hochmuth auf angeerbte und 
unverdiente Vorzüge erschlafft die Gemüther. Daher
        

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