Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-900926
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Byzantinische 
Kunst. 
Wer sich mit frischem, jugendlichem Gefühle der 
Kunst zuwendet, um von ihr fruchtbare Anregung für 
Geist und Gemüth zu erlangen, wird durch die Werke 
der Byzantiner sich wenig befriedigt finden. Es gehört 
schon eine mehr als gewöhnliche Kenntniss und Uebung 
dazu, um unter manchem Abstossenden das Gute zu er- 
kennen, eine mehr als gcsvöhnliche Vorliebe für die Kunst, 
um vor dieser unvollkommenen Darstellung ihres Wesens 
nicht zu erschrecken. Auch bestehen die Verdienste 
dieser Epoche mehr in technischem Geschick, als in ge- 
nialen Leistungen. Indessen darf man doch nicht, wie 
es so häufig geschehen ist und geschieht, diese Kunst- 
richtung bloss als eine verkümmerte Tradition antiker 
Regeln ansehen; sie war vielmehr auch schöpferisch, in 
der Architektur brachte sie neue, höchst bedeutungsvolle 
und für mannigfaltige Anwendung geeignete Formen her- 
vor, in der Malerei erZeugte sie die Typen der christ- 
lichen Gestalten. Der Geist des Christenthums war über- 
haupt schon, wenn auch noch nicht mit seiner vollen 
Kraft, in _iln' thätig, und dies giebt ihr, selbst für die 
weniger Eingeweihetcn, eine Alzziehunlgskraft, welche 
bei dem Abstossenden der äussern 190ml etwas Geheim- 
uissvolles 
hat. 
Auf dem historischen Standpunkte können wir aber 
sogar ihre Mängel mit minder ungünstigem Auge betrach- 
ten. Die Herrliehkeit der altgriechisehen Kunst War nicht 
dazu geeignet, auf weniger begabte Völker überzugehn; 
die Römer mussten sie erst verständlicher, populärer 
machen, wenn inan will herabziehn, (lainit auch Andre 
den Zugang fänden. Die byzantinische Kunst setzte die- 
sen Prozess noch weiter fort; sie brachte die Anforde- 
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künstlerischer 
Genialität 
auf das 
geringste Maass
        

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