Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-900889
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Dritte 
Periode 
der 
byz. 
Plastik 
Malerei. 
Faltenwilrf der Gewänder ist sorgsam durch einzelne 
Striche angedeutet, aber häufig sind diese schon an falÄ 
schon Stellen angebracht oder doch so gehäuft, dass sie 
die Flächen des Körpers unterbrechen. Alles trägt dazu 
bei, ihnen ein gespenstisches Ansehen zu geben  
Diese Beispiele sprechen schon vollständig den Geist 
der letzten Periode der byzantinischen Kunst aus, wie 
sie sich bis zum Untergange des Reichs mit geringen 
Veränderungen erhielt. VVir bemerken noch immer ein 
gewisses technisches Geschick, aber das Leben ist völlig 
gewichen. Selbst die neue Aufgabe, auch das Leiden 
darzustellen, hatte die Gemüther nicht anregen können, 
tiefer in psychologische und naturgemässe Motive einzu- 
gehen, die dabei so nahe lagen. Die Kraft war dieser 
Kunst schon etwas Fremdes geworden, sie konnte selbst 
durch Martern nicht zu einer lebendigen Aeusserung auf- 
gereizt Werden. Das Leiden bildete daher nur einen 
Uebergang zum Sterben; es schlich sich ein Wohlgefal- 
len am Leichenhaften ein. Der stumpfe, knechtische Sinn 
eines gedemüthigten Volkes, die beengte, von unverstan- 
denen Vorurtheilen beherrschte Denkungsweise, die geist- 
lose, in leeren Förmlichkeiten bestehende Frömmigkeit 
fand in dem Todten, Gespenstischen ein entsprechendes 
Bild. 
Wie die Thüren von S. Paul kamen im elften und 
zwölften Jahrhundert viele andre Kunstwerke aus diesen 
Gegenden in das Abendland, von denen wirmanche noch vor- 
finden, ohne das Datum ihrer Entstehung genau angeben zu 
i) Ganz ähnlich und wahrscheinlich gleichzeitig ist die Thüre 
des Doms zu Amalfi (v. d. Hagen, Briefe aus der Heimath 111.218). 
Auch im Kloster Snsdal in Russland sollen ähnliche, jedoch mit Gold- 
Fäden eingelegte Thiiren sein. (A delnng, die Korssunschen 'l'hi'u'en, 
im Anhange).
        

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