Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-900845
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Dritte 
Periode 
der 
byz. 
Plastik 
Malerei. 
aber 
freilich 
kindischer 
und 
höchst 
unschöner 
Art. 
Die 
grossen Initialen bestehen nämlich aus menschlichen 
und zwar aus heiligen Gestalten in irgend einer, den 
Linien des Buchstabens einigermassen anzupassenden Hand- 
lung, wie es dem jedesmaligen Inhalte des Textes ent- 
sprach. Es hat etwas Widerliches, wenn bedeutsame 
Gegenstände und Momente nur als Zeichen eines Lautes 
dienen sollenif), und nur in einer Zeit, wo man an me- 
chanische Wiederholung dieser heiligen Seenen gewöhnt 
war, konnte ein solcher Gebrauch aufkommen; auch ist 
es begreiflich, dass der natürlichen Bildung und Bewe- 
gung der Körper dabei oft Gewalt angethah werden musste, 
um sie den gradlinigen und winkeligen Formen der Buch-_ 
staben anzupassen. Allein immerhin überrascht uns diese, 
wenn auch kindische und geschmaeklose 'l'hätigkeit der 
Phantasie, und wir werden daran gewahr, auf wie todtem 
und abgestorbenem Felde wir uns befinden. In andern 
lilanuscripten sehen wir eine ähnliche Zusammensetzung 
der Initialen, aber nur aus Thiergestalten, was denn un- 
gleich leichter und harmloser ausfallgund uns einigermassen 
an den phantastischen Gebrauch der 'l'hierg'estalten eri11- 
nert, welcher in unserm Mittelalter so verbreitet war. 
Die Anregung zu solchen Ornamenten kam höchst wahr- 
scheinlich von den Arabern her, welche, wenn auch nicht 
in gleicher, doch in ähnlicher Weise sich in Phantasie- 
spielen geiielen, und deren Einwirkung wir auch sonst 
in den Verzierungen, namentlich in manchen grellbunten 
Mustern der Seiteneinfassungen wahrnehmen. Im Allge- 
 S0 ist die Taufe Christi als X behandelt, wo dann die beiden 
I-Iauplgestaltexl die unterm, die Engel die obern Arme bilden. Agiuc. 
Peint. t. 49. n. 3. lliontfazicon Palöoglvlphie grecque l. III. ch. S. giebt 
ein Alphabet (lersclheim Art, welches sogar schon aus dem 8. Jaln-h. 
sein soll.
        

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