Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-900783
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Zweite 
Periode 
der 
byz. 
Plastik 
Malerei. 
Hoffnung auf die Erlösung und Vergeltung durch ihren 
Ileiiand trösteten, so reichte dies nicht mehr aus; die 
neuen Märtyrer hatten diese Hoffnung mit ihren Gegnern 
gemein, sie konnten sie nicht für sich ausschliesslich in 
Anspruch nehmen. Sie mochten sich daher zu ihrem 
Troste an das Leiden des Herrn selbst erinnern, sich 
durch die lebendigste Vorstellung desselben stärken wol- 
len. Ueberhaupt waren die Gemiither härter geworden; 
es genügte nicht mehr, sie durch den Anblick der Herr- 
lichkeit zu erheben, sie bedurften auch der Erschütterung. 
Schon das Gefühl, welches die grossartige, aber starre 
Erhabenheit der musivischen Gestalten einflösste, hatte 
eine Verwandtschaft mit der Furcht, wenn auch nur als 
Ehrfurcht. Um es noch zu steigern, die Seele noch tiefer 
zu bewegen, schien das Grauenhafte und Schauerliche 
ein geeignetes Mittel. Der Sinn des byzantinischen Volks 
war durch die lange Gewöhnung an knechtische Demuth, 
durch das häufige Schauspiel entwürdigender Leibesstra- 
fen schon so abgestumpft, dass er für jene einfache Ho- 
heit nicht mehr empfänglich war und stärkerer Reizmittel 
bedurfte. 
In jenem Codex des neunten Jahrhunderts finden wir 
diese Richtung noch in ihrem Beginne. Zwar zeigt sich 
schon hier die Neigung zur Darstellung des Leidens; die 
Martyrien der zwölf Apostel sind ebenfalls abgebildet. 
Allein der Erlöser am Kreuze hat noch etwas von der 
Würde der frühern Auffassung; er steht in ruhiger Hal- 
tung auf dem Fussbrette, mit gradem Leibe, ausgestreck- 
tenArmen, während er später mehr an den angenagelten 
Händen hängt, mit gesenktem Haupte und auswärtsge- 
bogenem Leibe. Bald aber nalnn das Wohlgefallen an 
diesen schauerlichen Stoffen immer mehr zu; man ver-
        

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