Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898664
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Verfall 
des 
römischen 
Reichs. 
des Volks, seine Glieder sterben ab und der Egoismus 
greift, wie eine zerstörende Krankheit, ungehindert um 
sich. Der Verfall des römischen Reichs hatte seinen 
Grund in den Schicksalen" der Religiosität.  
Von Anfang an waren die Römer nichts weniger als 
SPrÖde oder ausschliessend in Beziehung auf den theolo- 
gischen Inhalt der Religion. Schon die Etrusker hatten 
sich den griechischen Mythen leicht zugänglich bewiesen, 
die Römer identilicirten ihre einheimischen Gottheiten 
ohne Schwierigkeit mit den griechischen. Jene heid- 
nische Toleranz, welche die Religion als ein gemeinsames 
Erbtheil des menschlichen Geschlechts ansieht und die 
Götter anruft, welchen Namen sie auch führen mögen, 
war bei ihnen noch grösser als bei den Griechen. Die 
Religion" bestand Wesentlich in der Bereitwilligkeit der 
Verehrung, und die Toleranz, man kann vielleicht sagen 
die Gleichgültigkeit, gegen den Inhalt der Mythen und 
gegen die Namen der Götter war sogar ein Ausfluss der 
Frömmigkeit. Daher waren ihnen die Religionen, welche 
im Besitz eines wahren Glaubens zu sein behaupteten 
und deshalb den Andern die rechte Religiosität abspra- 
eben, wie die jüdische und später die christliche, unver- 
ständlich und als menschenfeiildlich und atheistisch ver- 
hasst. Die Beziehung der Religion auf das Leben und 
auf die Moral rief zwar zur Zeit der Republik Verbote 
gegen Mysterien und fremde Religionen hervor. Aber 
auch die römische Moral war, wie wir gesehen haben, 
mehr auf die äussere Erscheinung als auf das Innere, 
mehr auf Würde als auf Gefühl gerichtet, die Rücksicht 
auf die Erhaltung des Staats lag dabei wesentlich zum 
Grunde. Wenn wir die Schriften der Römer selbst aus 
d" rePublikanisehen Zeit betrachten, so finden wir schon
        

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