Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-900616
Vorliebe 
für 
Mosaiken. 
201 
sich eng an den Verfall der antiken Kunst an. ln der 
alexandrinischen Periode kam dieser Luxus zuerst in Auf- 
nahme; seit Sullas Zeit wurde er bei den Römern beliebt, 
unter den Kaisern nahm er immer mehr zuii), und die 
Kirche fand ihn daher als hergebracht vor. Sie hätte 
ihn als ein Erzeugniss heidnischer Ueppigkeit und Prunk- 
sucht zurückweisen, die bescheidener-e Technik der Ma- 
lerei Wieder hervorrufen können. Allein wir wissen schon 
diese Strenge hatte die damalige Kirche nicht, so scharf 
konnte sie sich von der heidnischen Vorzeit nicht schei- 
den. Neben dem prunkeuden Reichthume des Kaiserthums 
konnte auch die Kirche des leuchtenden Glanzes nicht. 
entbehren; sie schmückte sich mit goldenen Prachtgeräthen 
und mit edeln Steinen, mit Umgebungen, Welchen der 
einfache milde Ton der Malerei, nicht entsprach. Sie 
musste schon deshalb das Mosaik vorziehen. Auch war 
dieser Luxus ihr nicht feindlich; ich habe schon bemerkt, 
dass der mystische Glanz und die Farbenwirkung der 
Steine dem christlichen Sinne zusagte, und es war ge- 
wiss kein Zufall, dass das frühere Emporblühcn dieser 
Gattung mit dem Verfall der antiken Kunst zusammenhing, 
denn in diesem Verfall des plastischen Sinnes keimte die 
Richtung auf das Malerische. Selbst das Mangelhafte 
der Gattung stand in einer innern Verbindung mit dem 
Style der Zeit. Gemälde, welche auf eine weit entfal- 
tete Natürlichkeit und Innerlichkeit Anspruch machen, 
ü) Das Biesenschifl" des Hiero von Syraklus, wo die ganze Ilias 
lmlsivisch am Fussboden dargestellt war, giebt, wenn ich nicht irre, 
das erste BeiSPiel der Anwendung im Grossen. Auch bei den Römern 
Sßhlnückte man zuerst die Fussböden, dann auch die Wände und 
Wölbungen mit Mosaiken. Die Stellen bei Plinius H. N. l. 36. v. 64 
Imd bei 590663 lib- 13. epist. 87 zeigen die Verbreitung dieses Ge- 
schmacks.
        

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