Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-900579
Charakteristik 
des 
Styls. 
197 
hand gemachten Bildern zeigt und beförderte die Suchwäche 
des Kunstsinnes. Denn mussten nicht solche Bilder schon 
einen Ausdruck des Wunderbar-eh, Ungewöhnlichen, Un- 
lebendigen haben, und fand nicht der Künstler in dieser 
Tradition ein Motiv diesen Formen sich anzuschliessen? 
Nirgends war daher ein Antrieb zu freiem künstlerischen 
Streben. Hiezu kam noch die artistische Tradition des 
Alterthums; denn auch in ihr hatte man überlieferte, 
durchbildete Formen, an denen nichts mehr zu schaifen 
war, nichts, was den Geist Wach und thätig erhalten 
konnte. Zwar war diese 'l'raditi0i1 noch frisch und leben- 
dig genug, um mit Verständniss behandelt zu werden 
und sich Jahrhunderte lang zu erhalten; aber sie hatte 
doch schon lange aufgehört, das Eigenthum, das Selbst- 
erzeugte der lebenden Geschlechter zu sein, sie musste 
allmälig erstarren. Auch waren diese Formen aus einem 
andern Geiste hervorgegangen, aus dem Geiste der Kraft 
und der That; sie konnten daher nur sehr bedingt einer 
geistigen Richtung dienen, in welcher das Leiden vor- 
herrschte. Beide Richtungen berührten sich nur an ihren 
äussersten Gränzen, es musste schwer und bald unmög- 
lich werden, sich auf dieser zarten Linie zu halten. Nun 
muss man es zwar anerkennen, dass diese Berührung 
heidnischer und christlicher Elemente in künstlerischer 
Beziehung keinesweges unbedingt schädlich war; viel- 
mehr beruht die grosse Wirkung dieser frühen christlichen 
Werke nicht bloss auf der Aeusserung der in der lfhat 
noch sehr unvollkommenen christlichen Gesinnung, son- 
der" eben auf der Verbindung dieses Geistes mit den 
einfachen: grossartigcn Formen antiker Kunst. Aber damit 
(lißsß Verbindung eine organische, dauernde werden konn- 
te; 111113519" jene alten Formen aufs Neue erzeugt und
        

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