Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-900446
184- 
Erste 
Periode 
der 
byz. 
Plastik 
ll  
Malerei. 
heissungen, welche dem Ohre so süss lauteten, ein be- 
denkliches Verfahren. Es konnte leicht die Gemüther 
verweichlichen und die Kraft ersehlaffen, deren doch eine 
Lehre, welche das Aufgeben des alten Menschen, die 
völlige Wiedergeburt fordert, im höchsten Grade bedurf- 
te; es entsprach dem Ernste der Kirche nicht. 
S0 wie in religiöser, war es aber auch in künstleri- 
scher Beziehung ein Fortschritt. Denn jene weichliche 
Symbolik konnte Wohl vorübergehend auch künstlerisch 
liebliche Erscheinungen hervorbringen, zuletzt musste sie 
doch auch hier zu einem Verfall führen. Bei der Darstel- 
lung des Gegenstandes als Andeutung eines Gedankens 
musste die Form gleichgültig werden und bald in blosse, 
rohe Andeutung" übergehen. Die Durchbildung des per- 
sönlicheil Elements war daher ein entschiedener Vortheil, 
sie führte auf festere Grundlagen zurück, sie gab dem 
Formensinn einen Anhalt. Daher sehen wir denn auch 
in der Entstehung der festen Typen der heiligen Gestal- 
ten_cine entschiedene, kräftige Regung des bildnerischen 
Sinnes. Vor Allem ist die Ausbildung des Christusideals 
eine grosse 'l'hat dieser byzantinischen Kunst. Man kann 
es dahin gestellt sein lassen, ob demselben eine wirkliche 
Lleberlieferung der Züge des Heilandes zum Grunde ge- 
legen habe; es ist nicht erwiesen, aber nicht unmöglich. 
Man mag darüber vom religiösen Standpunkte aus strei- 
ten, 0b es nicht der ganzen Oekonomie der Offenbarung 
angemessen gewesen, auch hier dem menschlichen Geiste 
freies Feld zu lassen, ihn nicht durch eine unbestreitbare 
Ueberlieferung zu fesseln. Man darf jedem, dem es Be- 
dürfniss ist, sich diese Züge als die wahren zu denken, 
diesen Glauben lassen; aber gewiss war die Tradition, 
durch welche sie auf uns kamen, keine urkundliche, keine
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.