Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-900309
I7O 
Byzantinische 
Plastik 
und 
Malerei. 
Erste 
Epoche. 
Die Anerkennung des Christenthums als der herr- 
schenden Religion des Reiches musste- auch auf die An- 
sicht der Kirchenlehrer von den bildenden Künsten Ein- 
fluss haben. Jener Hass gegen die Kunst an sich, wie 
er hauptsächlich von Tertullian ausgesprochen war, hatte 
doch eigentlich in den Evangelien keine Begründung. Ein 
so einseitiger Spiritualismus, eine so ängstliche Furcht 
vor der äussern Gestalt der Natur ist in ihnen wahrlich 
nicht gepredigt; der christliche Geist geht zwar über 
das Sinnliche hinaus, aber eben wegen dieser höheren 
Richtung wird er auch von demselben nicht angefochten. 
Wie keinerlei Speise, keine Berührung mit natürlichen 
Dingen verunreinigt, so kann auch die unschuldige Dar- 
stellung derselben nicht verfänglich sein. Wir sahen wie 
diese mildere Ansicht schon unter den ersten Christen, 
trotz des EiFers der strengem Kirchenvater, sich geltend 
machte. Jetzt War noch viel weniger Grund zu einem 
so allgemeinen über die Kunst auszusprechenden Ana- 
thema; ein solches kommt daher auch nicht mehr vor. 
Etwas Anderes war es mit den Bildnissen der heiligen 
Gestalten, besonders des Erlösers selbst. Bei diesen 
blieb denn doch die Gefahr einer allzueifrigen, abgötti- 
sehen Verehrung des äussern Bildes immer bestehen; 
hier erneuerte sich daher auch die Polemik der Kirche 
gegen die Kunst von Zeit zu Zeit, unter verschiedenen 
Formen. 
Es war sehr natürlich, dass fromme Gemütlier sich 
nach einem Bildnisse des Erlösers , in seiner wahren 
irdischen Gestalt sehnten. Man pries die Jünger glücklich, 
welche sein Antlitz gesehen, seine Worte vernommen
        

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