Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-899675
Hinneigung 
zum 
Orientalismus. 
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sondern auch die tieferen geistigen Bestrebungen hatten 
eine dem Orient entsprechende Richtung genommen. An 
die Stelle. der freien sokratisehen Dialektik und der stol- 
zen selbstständigen Lehre der Stoiker war die neuplato- 
nische Philosophie getreten, eine Doctrin, welche die 
Einheit des Weltalls mehr als die Freiheit des Indivi- 
duums geltend machte. So war denn der Geist der Ein- 
heit, der im indischen Pantheismus und im jüdischen 
Monotheismus herrschte, der auch im persischen Dualis- 
mus noch durchblickte, auf Europa übertragen, und jene 
ältere europäische Richtung auf Sonderung und Indivi- 
dualität in den Hintergrund gedrängt. Es lässt sich nicht 
verkennen, dass diese Geistesrichtung der Verbreitung 
des Christenthums günstig war, indem sie jenen ihm ent- 
gegenstehenden Geist des Selbstgefühls und der Sonde- 
rung der Individuen, die Anhänglichkeit an die polythei- 
stischen Götter schwächte. Aber freilich war diese 
negativ vortheilhafte Wirkung mit einer positiv nach- 
theiligen verbunden, indem dabei die Beziehung des Chri- 
stenthurns auf die Durchbildung des Einzelnen, auf mora- 
lische Heiligung nicht ihre volle Anerkennung fand. 
Dies orientalische Element des spätrömischeil Geistes 
erhielt nun im östlichen Reiche, nach, seiner Trennung 
von den westlichen Provinzen, entschieden das Ueberge- 
wicht. Die Hauptstadt selbst lag an der Gränze von 
Asien, die wichtigsten Provinzen gehörten diesem Welt- 
theile ganz an, der Sitz jener spätem Philosophie, Alexan- 
drien , wurde die Schule christlicher Doctrin. Dadurch 
gewann denn dieses neugebildete Reich eine innere Ein- 
heit: es. War dem Widerstreit unvereinbar-er National- 
geister nicht mehr ausgesetzt; allein es musste sich nun 
auch vermöge innerer Nothwexidigkeit immermehr nach
        

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