Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-899597
Historische 
Einleitung. 
99 
Regung neuen Lebens uns erfreute. Das Auge eilt un- 
geduldig über die langen Reihen wenig bedeutender Für- 
sten und wird meistens nur durch die Blutflecken ent- 
würdigender Grausamkeit oder durch die heiligen, aber 
zum Aberwitz gemissbrauchten Dogmen des Christenthums 
aufgehalten. 
Auch hier dürfen wir die Schuld nicht etwa, wie 
man oft gethan hat, der Lasterhaftigkeit der Fürsten oder 
der Ilerrschsucht der Geistlichen aufbürden. Es ist dies 
das Verfahren des Pöbels, der bei grossem ölleiltliehen 
Unglück, bei Krankheit oder Brand, immer geneigt ist, 
Einzelne als verbrecherische Urheber anzuklagen. Schwer- 
lich war hier die Sündhaftigkeit und die Schwäche grösser 
als in andern Zeiten, und war sie es, so war auch sie 
mehr Wirkung als Ursache; der Mensch wird durch die 
Umstände gehoben und erniedrigt. Der Keim des Uebels 
lag in einer Verkettung, welche zu lösen vielleicht keines 
Menschen Kraft vermochte. 
Das Evangelium lehrt, den neuen Wein nicht in alte 
Schläuche zu fassen, dennoch war dies hier das Unver- 
meidliche. Als das Christenthum im römischen Staate 
anerkannt wurde, fand es die gesammte Masse von An- 
sichten, Vorurtheilen und Gewohnheiten, welche im Laufe 
eines Jahrtausends entstanden war, mit allen Consequenzen 
der wissenschaftlichen und rechtlichen Ausführung vor. 
Ihrer sich zu entäussern, mit einem Male von Neuem 
anzufangen, war unmöglich; wie der Körper wächst auch 
der Geist durch die Aufnahme fremder Stoffe, die er in 
eigne verwandelt und die er nicht wieder ausscheiden 
kann. Auch fehlte es in der That für diese ganze welt- 
liche Seite des Lebens an einem neuen, dem Christen- 
thunne angemessenen Systeme, das man an die Stelle
        

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