Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-899552
Historische 
Einleitung. 
95 
konnte. Indem wirdas grosse Blatt der Geschichte um- 
wenden, werden wir (zu diesem Glauben scheinen wir 
berechtigt) nun nicht mehr das Walten der [Tngerechtig- 
keit und der Selbstsucht, sondern das Walten der Liebe 
und Demuth, den Geist christlicher Freiheit und VVahr- 
heit erkennen. Wenn auch vielleicht nur alhnälich sich 
ausbreitend sollte doch seine Wirksamkeit sogleich zu 
erkennen sein, jedenfalls sollte durchweg Besseres als in 
der heidnischen Zeit sich unsern Blicken darstellen. 
Wer unerfahren genug wäre, um mit diesen V oraus- 
setzungen an die Geschichte der christlichen Zeiten zu 
gehen, würde freilich eine bittere 'l'äuschung beklagen. 
Denn eine lange Reihe von Jahrhunderten beginnt, in 
welchen sich die trüben Erscheinungen wilder Sinnlich- 
keit, trostloser Knechtschaft, harter Kämpfe, verderblichen 
Aberglaubens häufen. Namentlich ist das byzantinische 
Reich, in seinem tausendjährigen Erstarren, mit seinem 
Despolismus, seinen Grausamkeiten, seiner Schlaffheit 
verrufen; es gilt für den unerfreulichsten Theii der Ge- 
schichte. 
Die Gegner des Christenthums haben es oft als einen 
Vorwurf oder als einen Grund des Zweifels geltend ge- 
macht, dass selbst die heidnischen Zeiten, wenigstens die 
bessern des griechischen und römischen Volkes, einen so 
sehr viel erfreulichen) Anblick gewähren, als viele Jahr- 
hunderte der christlichen Geschichte. Und ebenso sind 
fromme Eiferer bereit gewesen, diese Erscheinung als 
einen Beweis für die tiefe Verderbniss des Menschen 
gelten zu lassen, die gerade gegen das Heiligste und 
Reinste am Heftigsten sich empöre. Allein jenen Spöt- 
tern dürfen wir mit Recht die später-n Erfolge und noch 
sicherer unsere gläubige Hoffnung zukünftigen Fortschrei-
        

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