Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-899498
Richtung 
der 
altclnristlichenl 
Kunst. 
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nicht. Die Einlörmigkeit der Gesichter und Körper giebt 
daher den Ausdruck der sanften Gesinnung, in welcher 
eben alles Eigne verschwunden, nur das Gemeinsame 
gesucht ist. Der Charakter der Ruhe und Zuversicht, der 
Ausdruck des Ernstes und der Milde, endlich sogar die 
Wärme und Innigkeit des Gefühls sprechen uns daher 
ungeachtet aller Unvollkommenheiten des Einzelnen auf 
eine wohlthätige Weise an, und unterscheiden diese 
christlichen Werke sehr merklich von der Leere der 
gleichzeitigen heidnischen. Eben so wie das architekto- 
nische und malerische Princip zeigt daher auch schon 
der Ausdruck eine Andeutung von dem, wonach später 
die christliche Kunst strebte.  
 Es ist sehr lehrreich, dass eine für höhere Kunst 
eigentlich abgestorbene Zeit schon die Elemente erzeugt, 
die in spätem Jahrhunderten der Bildung und Blüthe 
christlicher Völker sich erst entwickeln sollten. Nicht 
ein bewusstes Streben, nicht das absiohtsvolle Suchen 
nach neuen anregenden Gebilden, nicht die Begeisterung 
eines hochbegabten Künstlers erzeugt die neue Form; 
sie entsteht von selbst, ein höheres Gesetz leitet die 
Irland des anspruchslosen, unbeholfenen Arbeiters. Noch 
ist indessen dieses neue Gesetz nicht durchgedrungen, 
nicht verarbeitet; die Kunst geht noch in dem verbrauch- 
ten römischen Kleide. Nur eine leise Bewegung, ein 
voriiberlliegeniler Zug der Mienen giebt uns die innere 
Veränderung kund. Es ist ein milder freundlicher Zug, 
der, weil wir ihn auf dem Antlitz der sterbenden Kunst 
des Alterthums wahrnehmen, etwas Wehmüthiges enthält, 
der aber unswie ein liebevoller Scheidebliek, aufkünf- 
tiges YViedersehen vorbereitet. 
WVir erkennen hier auf dem Boden der Kunst und an
        

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