Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-899465
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Verfall 
des 
römischen 
Reichs. 
als einander entsprechend bezeichnet. Und ebenso tritt 
in der Anordnung der einzelnen Darstellungen die Haupt- 
ligur als mittlere hervor, der sich die Nebenliguren, seit- 
wärts zurückgestellt, unterordnen. Das perspectivisch- 
malerische Prineip , das wir später in der christlichen 
Kunst stets vorherrschend finden werden, das erst nach 
einer Reihe von Jahrhunderten seine volle Ausbildung erhält. 
hathier schon jenes plastische der Prolilstellung überwunden. 
Es versteht sich, dass dies nicht aus künstlerischer 
Ueberlegung hervorging. Dieser Zeit, die mit ganz andern 
Dingen beschäftigt war, blieb jenes künstlerische Selbst- 
gefühl, das sich in neuen Formen gefällt und sie mit 
Neigung ausbildet, völlig fremd. Es war eine unbemerkte 
NVirkung des christlichen Geistes; schon die Gegenstände 
der Darstellung brachten es zum Theil mit sich. Die 
heidnische Mythe gab überall äussere Hergänge, kräftiges 
Handeln, körperliche Beziehungen, Kämpfe, Festzüge, 
läabantengefolge der Götter, alles Gegenstände, für wel- 
che die Form des Fortsehreitens die natürliche War. Das 
Leben des Heilandes bot dagegen nur stille Momente 
einer geistigen Einwirkung, in denen Christus den noth- 
wendigen Mittelpunkt bildete. Die Stellung des Lehren- 
den unter seinen Jüngern, des WVunrlei-thäters unter dem 
Volke, des Heilenden unter den Hülfsbedürftigen gaben 
den Typus der Anordnung an. Der Sanfte, der Leidende, 
konnte nicht bewegt, nicht schreitend sondern nur stehend 
oder sitzend dargestellt werden. Ihn, der unter seiner 
Gemeinde immer gegenwärtig war , konnte man sich 
nicht gleichgültig vorübergehend denken , sein Antlitz 
musste dem des Besehauers entgegengeriehtet sein. Die 
Darstellung in der Vorderansicht entstand daher ganz 
von selbst. Sei es. nun, dass man die ganze Fläche des
        

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